Digital

So revolutioniert maschinelles Lernen die Factory 4.0

Künstliche Intelligenz hebt Leistung und Effizienz in der industriellen Fertigung auf ein neues Niveau. Mit Digital Ventures wie FactoryPal oder InspectifAI setzt Körber hier neue Maßstäbe.

Um dem Erfolgsgeheimnis des Company Building bei Körber auf die Spur zu kommen, ist der Selection Day ein guter Moment. Fünf Teams tragen hier ihre Projekte vor, die sie zuvor in einem Boot Camp in einwöchiger Intensivarbeit auf Kohärenz und Machbarkeit geprüft haben. Nur ein Projekt wird am Ende des Tages für die nächste Projektphase ausgewählt – Selection Day eben. Es herrscht typische Start-up-Atmosphäre, eine junge, nervöse Heiterkeit, alle Teams sprechen frei und improvisieren oft in ihren je zwölfminütigen Slots. Doch ansonsten hat das Event wenig mit schräger Ideenschmiede zu tun, umso mehr mit Market Size, Untapped Potential und Customer Base. Mit LOI, FTEs und EBITDA. Der Tenor ist klar: Hier geht es jenseits aller Start-up-Romantik vor allem darum, ob eine Idee wirklich tragen wird am Markt.

Umsätze auf dem weltweiten Markt für Software für künstliche Intelligenz (KI) von 2018 bis 2025

"Die industrielle Fertigung wandelt sich in Riesenschritten – von Hardware-getriebener Steuerung über eine Software-getriebene hin zu einer, in der künstliche Intelligenz weite Teile der Organisationsprozesse übernimmt", sagt Dr. Christian Schlögel, Chief Digital Officer (CDO) bei Körber. Eine komplexe Aufgabe, die datenzentrierte und holistische Ansätze zunehmend unerlässlich macht. "Digitale Software-as-a-Service-Lösungen entlang der Wertschöpfungskette bestimmen die Zukunft der Branche", sagt Christian Schlögel:  "Smarte Algorithmen, Data Science und Machine Learning bieten ein riesiges Potenzial." 

Bereits 2017 hat Körber das Geschäftsfeld Digital gegründet – damals in erster Linie, um die digitale Transformation des Technologiekonzerns voranzutreiben und digitale Innovationen in den etablierten Körber-Geschäftsfeldern zu fördern. Zwei Jahre später verschob sich der Fokus dann mehr in Richtung Company Building. Erklärtes Ziel: Konkrete Projekte zur Effizienzsteigerung in der industriellen Fertigung initiieren und diese dann als eigenständige Start-ups in den Markt bringen. Zwei bis drei solcher Ausgründungen pro Jahr hat Körber sich vorgenommen. Bereits jetzt ist Körber Digital mit rund 200 Mitarbeitern der größte Company Builder in Deutschland – Ende 2022 sollen es bereits 500 Mitarbeiter sein. 

Ein Umsatzpotenzial von 50 Millionen Euro ist Pflicht 

"Unser Gold sind Probleme", sagt Daniel Szabo, der seit 2019 das Körber-Geschäftsfeld Digital leitet und Vollblutunternehmer ist: Mit YOU MAWO hat der 35-Jährige den heutigen Weltmarktführer für maßgeschneiderte 3D-Druck-Brillen mitgegründet und mit Additive Scale ein Technologieunternehmen, das sich auf sogenanntes „Mass Customization“ fokussiert. Dieses Gründergen überträgt Szabo auch in seiner Rolle als CEO von Körber Digital auf seine Mannschaft. Seine Teams schauen sich genau an, wo es in der Produktion hapert, und entwickeln darauf maßgeschneiderte Digitallösungen. Als Basis dient mit dem Digital Innovation Process (DIP) ein hauseigenes Drei-Stufen-Modell: In Phase eins werden aktuelle Herausforderungen identifiziert und klare Zukunftszenarien für die betreffenden Märkte entworfen. In Phase zwei geht es ums Projektpotenzial und erste Kunden, bevor es in Phase drei an das Unternehmens-Set-up geht. Projekte, die Körber für die Realisierung und Ausgliederung auswählt, müssen ein Umsatzpotenzial von mindestens 50 Millionen Euro haben. 

In drei Fällen war der Roll-Out bereits erfolgreich oder ist in vollem Gange. Bereits 2020 ging FactoryPal an den Markt, dessen SaaS-Lösungen die Leistung von Anlagen mithilfe von KI-Algorithmen optimieren. Gestartet ist FactoryPal in der Tissue-Industrie, wo die intelligente Software Steigerungen der Gesamtanlageneffektivität von bis zu 30 Prozentpunkten erzielt. Das Besondere dabei: FactoryPal läuft nicht nur auf Körber-Anlagen, sondern auch auf denen von Wettbewerbern. "Unsere Lösungen entwickeln wir nie exklusiv für Anlagen eines Herstellers, sondern stets industrie- und maschinen-agnostisch", sagt Daniel Szabo. Das macht sie für viele Kunden und auch andere Fertigungsindustrien leicht adaptierbar. So findet FactoryPal neuerdings auch im Körber-Geschäftsfeld Pharma Anwendung, um beispielsweise die Blasenbildung bei Klebstoffen zu verringern.       

Im Herbst 2021 hob Körber Digital mit InspectifAI sein zweites Corporate Venture aus der Taufe. Das Unternehmen mit Sitz in Karlsruhe verbessert die – gesetzlich vorgeschriebene – optische Inspektion pharmazeutischer Produkte. Bislang werden diese mittels statischer Alogrithmen erstanalysiert. In 5-10 Prozent der Fälle ist sich das Programm unsicher, ob die Produkte einwandfrei sind, diese müssen dann einzeln von Experten vor Ort geprüft werden. Durch die selbstlernenden Algorithmen von InspectifAI sinkt die Prüfquote auf rund 0,5 Prozent – ein immenser Fortschritt mit hoher Zeit- und Kostenersparnis. 

Messbare Mehrwerte schaffen

Im Roll-Out begriffen ist ein drittes Venture. Es bietet KI-basierte Lösungen, die die Zufriedenheit von Lagermitarbeitern durch Gamification-Software steigern soll – also durch den Einsatz spielerischer Mittel wie Rankings, Highscores oder Fortschrittsbalken. Insbesondere im Warehouse Management, wo die Fluktuation vielerorts hoch ist, hatte die Software in Pilot-Kundenprojekten bereits eine messbare Motivationssteigerung in der Belegschaft zur Folge. Der offizielle Marktstart ist für das Frühjahr 2022 geplant.

"Messbare Mehrwerte zu schaffen, ist in der Fertigung mehr denn je im Blickfeld", sagt Daniel Szabo, der in diesem Jahr zwei weitere Start-ups in den Bereichen Nachhaltigkeit und After Sales zur Marktreife bringen und seine Belegschaft so im Jahresverlauf verdoppeln will. 

Als Arbeitgeber ist das Digital-Geschäftsfeld von Körber dabei im hochumkämpften Software- und IT-Markt mit seinem Company-Building-Ansatz sehr attraktiv. "Wir vereinen das Beste beider Welten", sagt Daniel Szabo. "Die Sicherheit eines global operierenden Unternehmens mit Tradition, Netzwerk und Stabilität, sowie die flexiblen Bedingungen und agilen Methoden eines Start-ups. Darauf legen wir großen Wert. Mit jedem neuen Venture stellen wir ein neues Winning-Team aus den besten Köpfen zusammen."  

www.koerber-digital.com

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