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Mut zu neuen Wegen: Wie Körber digitale Innovationen vorantreibt

Dr. Nadja Hatzijordanou, Head of Digital Innovation im Körber-Geschäftsfeld Digital

Dr. Nadja Hatzijordanou verantwortet im Körber-Geschäftsfeld Digital den digitalen Innovationsprozess. Was genau ist darunter zu verstehen? Und wie kreiert sie mit ihrem Team neue Geschäftsmodelle in digitalen Marktlücken? Eine Nahaufnahme.

Fragt man Dr. Nadja Hatzijordanou, wie sie digitale Innovationen bei Körber vorantreibt, wird sie sehr schnell konkret. Reines "Innovationstheater" sei ihr ein Gräuel – ihre Abteilung wolle klare, messbare Wirkungen auf das Geschäft erzeugen. "Der wichtigste Startpunkt für jede Innovationseinheit lautet: Das Ziel muss klar sein. Bei uns heißt es: Wir entwickeln gemeinsam mit den anderen Geschäftsfeldern des Konzerns rentable Software-as-a-Service (SaaS)-Lösungen, mit dem Schwerpunkt KI-basierte Effizienzsteigerungen im Maschinenbau. Dafür nutzen wir das volle Potenzial digitaler Technologien und Arbeitsweisen." 

Lösungen dieser Art sind ein wichtiger Erfolgsfaktor für den gesamten Konzern. Körber hat die Digital Innovation Unit 2017 als eigenständiges Geschäftsfeld gegründet, das den stark wachsenden Einfluss digitaler Produkte und Prozesse innerhalb des Konzerns – und der gesamten Technologiebranche – spiegelt. Digital Units spielen dort seit Jahren eine zunehmend zentrale Rolle, um die Zukunftsfähigkeit etablierter Muttergesellschaften zu sichern. Nach Angaben der Innovationsstudie von "Capital" und "Infront" wurden 60 Prozent aller Innovationseinheiten in Deutschland nach 2016 initiiert – mehr als zwei Drittel davon sind demnach Teil der Kernorganisation der Unternehmen.

lWir schauen uns Prozesse gemeinsam mit dem Kunden an und identifizieren dort Potenziale für die Steigerung der Produktionseffizienz.r

Dr. Nadja Hatzijordanou, Head of Digital Innovation im Körber-Geschäftsfeld Digital

Das Hauptaugenmerk des Körber-Geschäftsfelds Digital liegt darauf, das Disruptionspotenzial neuer Technologien früh zu erkennen und gezielt auszuschöpfen. "Wir fokussieren uns auf innovative Software-as-a-service Lösungen, die das Potenzial haben, eigenständige Unternehmen zu rechtfertigen", sagt Nadja Hatzijordanou. Der digitale Innovationsprozess (DIP), den sie mit ihrem Team steuert und gemeinsam mit anderen Expertenteams aus dem gesamten Konzern umsetzt, ist klar auf dieses Ziel hin ausgerichtet. Er besteht aus drei Phasen und startet mit dem Entdecken von geeigneten Ideen, der Discovery-Phase. "Wir schauen uns Prozesse gemeinsam mit dem Kunden an und identifizieren dort Potenziale für die Steigerung der Produktionseffizienz", sagt sie. Die genauen hunting zones, um Potenziale für neue digitale Anwendungen zu erkundschaften, definieren sie und ihr Team in Absprache mit den anderen Körber-Geschäftsfeldern. 

    

Ein echter Wettstreit 

Im zweiten Schritt gilt es, das genaue Potenzial einer Projektidee zu ermitteln. Die zentralen Fragen dabei: Ist das identifizierte Problem spezifisch für einen Kunden oder auch anwendbar für andere Unternehmen im selben Markt oder in anderen Märkten? Wie wird das Problem heute gelöst? Welches sind andere Industrien, in denen dieses Problem auftreten könnte? Wie hoch ist der Return on Investment (ROI), also die Kapitalrendite, die für einen Kunden mit einer digitalen Lösung erzielt werden kann? Wie sieht unsere Produktvision und unsere erste Produktversion aus? Welche Lösungen gibt es bereits am Markt und wo könnte unser Alleinstellungsmerkmal liegen? Ist es besser, eine digitale Lösung einzukaufen, selbst zu entwickeln oder in Co-Creation mit Partnern oder Kunden anzugehen?

"Wir arbeiten mit Hypothesen, testen diese und versuchen, über die Zeit immer mehr Wissen zu generieren, um gute Business- und Produktentscheidungen zu treffen", erklärt Nadja Hatzijordanou. Der Auswahlprozess könne mitunter schmerzhaft sein. Neben klar definierten Bewertungskriterien seien dabei die Einbeziehung externer Experten aus den Bereichen Venture Capital und Start-up-Investment hilfreich – sowie ein echter Wettstreit. "Viele gute Ideen zu haben, ist Voraussetzung für Innovation, aber aus Ressourcengründen kommen nur die vielversprechendsten Ideen im Prozess weiter", sagt Nadja Hatzijordanou. "Fokus ist auch hier der Schlüssel."

Entscheidet sich Körber dazu, die identifizierte Opportunität weiter zu verfolgen, wird ein Projektteam gegründet. Dessen Zusammensetzung sei dabei entscheidend für den Entwicklungserfolg, sagt Nadja Hatzijordanou: "Es kommt darauf an, dass sich die Teammitglieder optimal ergänzen.“ Für den bestmöglichen Projekterfolg brauche es nicht nur verschiedene Disziplinen von Strategic Design, Venture Architect und Software Architect bis Product Owner, sondern eben auch komplementäre Eigenschaften und Charaktere – Strategen und Visionäre, Pedanten und Pragmatiker, Mut und Gelassenheit, Leidenschaft und Intuition. Die Teams, sagt sie, erhalten ein hohes Maß an Eigenverantwortung, sie arbeiten in Sprints, haben flache Hierarchien und klare Ziele. Und eines ist ihr dabei besonders wichtig: „Ein permanenter Erfolgswille eint alle im Arbeitsalltag: Ist das wirklich schon die beste Lösung? Wenn es nicht so läuft, wie ursprünglich gedacht, was können wir noch tun um die Stakeholder oder einen Kunden zu überzeugen?" Im Mittelpunkt stehe dabei stets das „Mindset“, also die passende Denkweise und Einstellung.

Den unfair advantage optimal nutzen

Wenn alles läuft wie geplant, entstehen erfolgreiche SaaS-Lösungen, die in der dritten Phase des DIPs in ein eigenes Venture überführt werden – gesellschaftsrechtliches Setup, Personalaufbau und Skalierbarkeitsmodell für potenzielle Kunden inklusive. So wie bei FactoryPal, Körbers erstem eigenen Start-up. Die Software entstand in Co-Creation mit dem Tissue-Hersteller WEPA und unterstützt Fertigungsunternehmen mittels eines hochentwickelten Plug-and-Play-Algorithmus für maschinelles Lernen dabei, ihre Gesamtanlageneffektivität zu steigern und so die Profitabilität zu erhöhen. Nicht zuletzt für diese Pionierleistung wurde Körbers Geschäftsfeld Digital als „Smart Manufacturing Company of the Year“ mit dem IoT Breakthrough Award 2020 und dem Digital Lab Award 2021 ausgezeichnet.

Im Kern geht es im Digital Innovation Team um nicht weniger, als die Stärken digitaler Start-up-Mentalität mit der langjährigen Branchen- und Kundenerfahrung innerhalb des Körber- Konzerns zu bündeln. "Wir haben bei Körber ein hohes Maß an Vertrauen und Wissen über die Herausforderungen unserer Kunden, ihrer Mitarbeiter und Netzwerke gebildet“, so Nadja Hatzijordanou. Um diesen unfair advantage optimal zu nutzen, gibt es einen engen und offenen Austausch mit allen Geschäftsfeldern – sowie mit Kunden und Start-ups. Dabei helfen digitale Tools, etwa kollaborative Online-Formate, digitale Schulungs- und Trainingsprogramme und regelmäßige Events. Der ACT! Summit zum Beispiel dient als internes Inspirationsformat, bei dem Kollegen von laufenden Digitalprojekten berichten, sich intensiv über neue Erkenntnisse austauschen und Learnings teilen sowie das Netzwerk pflegen.

Bei der Start-up-Challenge lädt Körber ausgesuchte Start-ups zu einem dreitägigen Hackathon ein, auf dem konkrete Lösungen für konkrete Herausforderungen im Bereich Produktionseffizienz entwickelt, vorgestellt, bewertet und belohnt werden. Und beim DIP Selection Day diskutiert ein Körber-Kommitee mit Digitalexperten konzernübergreifend Vorschläge nach jeder Phase des Innovationsprozesses und entscheidet, welche Ideen wie weiterverfolgt werden sollen. "Solche digitalen Events vertiefen die Zusammenarbeit, helfen dabei, Barrieren abzubauen, und stärken unseren Innovationsgeist quer über alle Geschäftsfelder hinweg", sagt Nadja Hatzijordanou.  

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Digitales Mindset und Teamgeist

Eigene Start-up-Erfahrungen mitzubringen, ist im Digital Innovation Team ein gern gesehener Vorteil. Nadja Hatzijordanou, gebürtige Berlinerin mit griechischen Wurzeln, gründete selbst ein Start-up für komplexe technische Keramikbauteile. Im Anschluss promovierte sie am Karlsruher Institut für Technologie, während sie am Hasso-Plattner-Institut die School of Entrepreneurship und den dortigen HPI Seed Fund mitaufbaute. In dieser Zeit begleitete sie mehr als 15 digitale Start-ups von der Frühphase bis zur ersten Finanzierung.

Seit 2019 arbeitet Nadja Hatzijordanou im Körber-Geschäftsfeld Digital und leitet seit April 2020 das Innovationsteam – ihre Gründungserfahrungen kommen ihr dabei zugute. "Erfahrungen dieser Art sind hilfreich, um zu verstehen, wie die Teams denken und fühlen", sagt sie. "Am Ende sorgt vor allem diese Einstellung für unseren Erfolg: Mut mitbringen, neue Wege zu gehen. Sich gegenseitig vertrauen. Unternehmerisch denken und handeln. Und in enger Partnerschaft mit den anderen Körber-Geschäftsfeldern arbeiten – denn die digitale Transformation gelingt am besten, wenn man den Weg gemeinsam geht."

www.koerber-digital.com

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