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Chance für Europa: Warum der Maschinenbau ein digitales Ökosystem braucht

Schlauere Maschinen sind effizienter: Die Zukunft industrieller Fertigung liegt in künstlicher Intelligenz und Datenanalyse. Doch um dieses Potenzial zu heben, ist die Kooperation zwischen Maschinenbauern, Start-ups und Forschung entscheidend.

Wie kaum eine andere Branche prägt der Maschinenbau das Selbstverständnis der deutschen Wirtschaft. Die produzierende Industrie steht sinnbildlich für das Label „Made in Germany“: Hier kommen Ingenieurskunst, Innovationsstärke und Tradition zusammen. Seit dem vergangenen Jahrzehnt spielen zunehmend digitale Technologien, wie künstliche Intelligenz (KI) und das Internet of Things (IoT), die Hauptrolle auf der Agenda der Fertigungsindustrie und versprechen eine Zukunft von intelligenten und damit noch effizienteren Maschinen. Die Potenziale sind groß, aber Schnelligkeit ist gefragt. Denn mit der Zeit drängen zunehmend neue Wettbewerber auf den Markt und setzen die Platzhirsche unter Druck. Der Einstieg von Amazon Business in die Industriesegmente Aftersales und Verbrauchsgüter, mit dem der Technologiekonzern mittlerweile 10 Milliarden US-Dollar Umsatz pro Jahr erwirtschaftet, ist nur einer der Weckrufe der vergangenen Jahre.

lKooperation, Netzwerke und prozessuale Transparenz führen nachweislich zum Erfolg.r

Daniel Szabo, CEO und Managing Director Körber Digital

KI als Schlüssel: Der globale Markt fragt nach mehr Effizienz von Produktionsanlagen

Der Maschinenbau steht also vor der großen Herausforderung, der weltweiten Produktion ein völlig neues, smartes Betriebssystem zu verpassen. Wir bei Körber Digital sind der Überzeugung, dass die Zukunft der industriellen Fertigung im Einsatz von KI und Data Science liegt. So prognostizierte das Institut für Innovation und Technik Berlin, dass das Wachstum im produzierenden Gewerbe in den nächsten Jahren zu einem Drittel durch den Einsatz von KI ermöglicht wird. Die Vorteile sind vielfältig: 

  • weniger Ausfallzeiten durch KI-basierte vorauschauende Wartung
  • bessere Produktqualität durch frühzeitige Erkennung von Fehlern im Fertigungsprozess
  • reibungslose Zusammenarbeit mit Industrierobotern durch AI-Algorithmen
  • autonome Produktentwicklung durch intelligente CAD-Systeme
  • selbstständige Produktionsanpassungen in Echtzeit auf Basis anspruchsvoller Analytik-Anwendungen

Mehr als die Hälfte der Industrieunternehmen sieht vor allem die Qualitätskontrolle als vielversprechendstes Einsatzfeld, so die Ergebnisse einer Studie des Massachusetts Institute of Technology (MIT) aus dem Januar dieses Jahres. Darauf folgen das Inventarmanagement (44%) und das Maschinenmonitoring (32%). Am Ende geht es auch um Gewinn: Unternehmen, die ihre Investitionen in diesem Bereich hochfahren, geben an, dass ihre Erwartungen an die Projekte erfüllt oder sogar übertroffen wurden. KI kommt für den Maschinenbau also zur rechten Zeit und scheint ein echter Verkaufsschlager mit gewichtigen Argumenten zu werden. 

Wie hat der Maschinenbau bislang versucht, die Potenziale aus den Daten zu heben? Schaut man sich die bisherigen Strategien der Unternehmen in diesem Bereich an, so wurden in erster Linie Alleingänge vollzogen. Dabei haben sich insbesondere die großen Unternehmen in der Branche bemüht, eigene IoT-Plattformen zu entwickeln, mit denen sie die Vernetzung von Produktionsanlagen und Maschinen ermöglichen. Das Ziel, den Markt mit eigenen Lösungen zu dominieren und sich als „Top Dog“ zu positionieren, steht im Vordergrund. Der Effekt ist bisher sehr überschaubar. Über die Jahre hat sich die Produktionseffizienz nur minimal gesteigert und ist damit deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben. 

Die Kernfrage für die Unternehmen im Maschinenbau ist also, wie können gemeinsam digitale Lösungen entwickelt werden, die State-of-the-Art sind und Ergebnisse liefern, die für Kunden einen echten Mehrwert schaffen? Wie entwickeln wir ein Betriebssystem, das führend für Fabriken und Produktionsanlagen auf aller Welt wird?

Der Blick auf andere Branchen zeigt ein eindeutiges Erfolgsrezept

Der Blick auf andere Branchen, die bereits viel weiter im Change Management und digitalen Transformationsprozess fortgeschritten sind, zeigt einen eindeutigen Weg: Kooperation, Netzwerke und prozessuale Transparenz führen nachweislich zum Erfolg. Im Alleingang werden auch Industrieunternehmen und Maschinenbauer nicht mit dem geballten IT-Know-how von den Software-Giganten wie Amazon oder Google mithalten können und den Standard von KI anderer Branchen erreichen. Die Antwort liegt vielmehr in einem kooperativen Ansatz: der Aufbau eines digitalen Ökosystems aus etablierten Maschinenbauern, Zulieferern, Technologiefirmen, Start-ups und führenden Forschungseinrichtungen. 

Zudem geht es hier um etwas Größeres, als nur die eigene Nase vorn zu haben – es geht darum, Europa und europäische Industrieunternehmen mithilfe KI-gesteuerter Produktionseffizienz nach vorne zu bringen. Dafür muss der gegenseitige Wettbewerbsgedanke zur Seite gelegt werden, denn nur mit einer Mentalität der Offenheit und partnerschaftlichen Unterstützung kann eine wertstiftende Zusammenarbeit, eine Coopetition, gelingen.

Das "Not-invented-here"-Syndrom bremst digitalen Wandel aus

Nun scheint die Anwendung dieses Erfolgsrezeptes auf den ersten Blick nicht viel schwerer, als es für andere Branchen der Fall war. Beispielsweise sehen wir mit dem Finanzsektor eine Branche, die mit selbstbewussten FinTechs und regulatorischen Kniffen wie Open Banking ein Ökosystem geschaffen hat, in dem ein offener Umgang mit Daten und Technologien zu einer Weiterentwicklung der gesamten Branche beigetragen hat. Unter den Top-Ten-Banken in Deutschland gibt es mittlerweile keine mehr, die nicht in irgendeiner Form in Kooperation mit einem der rund 600 FinTechs steht. Im Maschinenbau gestaltet sich diese Offenheit schwierig. In der klassischen Industrie, insbesondere in Europa, wird stark in Kategorien wie „geistiges Eigentum“ und „Bereichswissen“ gedacht. Auch die Angst vor Datenklau und dem Missbrauch sensibler Daten lässt Datensicherheit zum großen und wichtigen Thema werden. In Kombination mit einem ausgeprägten „Not-invented-here“-Syndrom hat der Maschinenbau in puncto Ökosystemaufbau einen echt schweren Klotz am Bein. 

Doch es lohnt, sich von dieser Last zu befreien. Mit dem Aufbau eines Ökosystems würde neben den positiven Netzwerkeffekten auch der Einsatz von KI gefördert werden. Denn KI-Lösungen werden besser, je größer der Datenpool ist, aus dem sie lernen können. Die Produktionsanlagen und Maschinen generieren täglich enorme Datenmengen, aus denen hochentwickelte KIs enorm wichtige Schlüsse ziehen können. 

Es geht um Europas neue Position auf dem Spielfeld der digitalen Weltwirtschaft

Die Geschichte des Consumer-Internet ist weitestgehend erzählt. Mit Amazon und Google aus den USA ist das B2C-Geschäft mit zwei starken Plattformen schon weit in seiner Evolution fortgeschritten. Alibaba dominiert von China aus. Für Europa und Deutschland tut sich jedoch eine neue Chance im B2B auf: der Vormarsch von digitalen Innovationen. Auch globale Risikokapitalgeber haben verstärkt genau diesen Bereich im Auge und wollen ihr Portfolio erweitern. Dem Maschinenbau fällt dabei die entscheidende Aufgabe zu: Wie schaffen wir es, Produktionsanlagen weltweit effizienter zu machen? Im Sinne der Produktivität und im Sinne des Klimaschutzes. Ein solches Betriebssystem der weltweiten Produktion wird eine der Voraussetzungen sein, um nachhaltig global zu wirtschaften. Europa und Deutschland haben hier einen nahezu „unfairen Vorteil“. Nur hier bietet sich die seltene Möglichkeit, das exzellente Wissen der Maschinenbauer mit den agilen digitalen Lösungen von Software-Entwicklern und Data Scientists in dieser Form zusammen zu bringen.

Deutschland ist mit seinen „Hidden Champions“ in diesem Bereich bisher erfolgreich aufgestellt und bringt optimale Startbedingungen mit. Wenn es die Branche schafft, Konkurrenzdenken zu überwinden und im Sinne der gesamten Branche an bahnbrechenden Technologien zu arbeiten, besteht die Chance, dass in Europa ein Silicon Valley des Maschinenbaus entsteht. 

Kontaktieren Sie Daniel Szabo und erfahren Sie mehr über digitale Ökosysteme!

Daniel Szabo - CEO Körber Digital

Daniel Szabo
CEO Körber Digital


daniel.szabo@koerber.digital

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