Supply Chain

Raus aus dem Käfig

Eine neue Generation von Robotern revolutioniert das Warehouse-Management. Software aus dem Körber-Geschäftsfeld Supply Chain stellt dabei die entscheidende Verbindung zwischen Mensch und Maschine her.

Die Zeit war knapp. Nur wenige Monate blieben dem US-Unternehmen Verst Logistics, dann sollte die Zusammenarbeit mit einem neuen Kunden beginnen. Der Onlinehändler für Bastel- und Schreibwarenbedarf hatte 1.100 Artikel im Angebot. Und das Versprechen gegeben, jede Bestellung spätestens nach 48 Stunden auszuliefern. „Das war eine gewaltige Herausforderung für uns“, sagt Dean Hoerlein, Vice President bei Verst Logistics. Vor allem die Prozesse im Verst-Lager in Kentucky mussten deutlich schneller werden als bisher. Verst Logistics fand die Lösung in einer neuen Art von Robotern: sogenannte autonome mobile Roboter, kurz AMR.

weniger Fehlermeldungen

gehen auf die mobilen Roboter zurück. Wegen der präzisen Angaben und Bilder auf ihren Bildschirmen unterliefen den Lagermitarbeitern weniger Fehler beim Verpacken.

Roboter navigieren mit 3-D-Kameras und Sensoren

Die große Neuerung der AMR steckt im „A“ für „Autonom“: Anders als die meisten Roboter, die bisher in Lagern eingesetzt werden, benötigen sie keine fest installierten Schienen oder Magnetspuren, sondern navigieren mittels digitaler Karten, 3-D-Kameras und fortschrittlicher Sensoren durch die Hallen. Menschen und anderen Robotern weichen sie aus, ohne die Fahrt zu unterbrechen. Ware aus Fächern heraussuchen oder hineinlegen – das übernehmen in der Regel Menschen, die sogenannten Picker. „Die Roboter ersparen ihnen unnötiges Hin- und Herlaufen in den Gängen“, erläutert John Santagate, Vice President Robotics im Geschäftsbereich Software von Körber Supply Chain. „Das kann mehr als die Hälfte der Arbeitszeit ausmachen – Zeit, die sie besser nutzen können.“ Logistikprozesse werden so deutlich effizienter.

AMR verändern zudem das Verhältnis von Mensch und Maschinen grundlegend. „Inzwischen arbeiten Roboter und Mitarbeiter Hand in Hand“, sagt Dirk Teschner. Er ist im Körber-Geschäftsfeld Supply Chain unter anderem dafür verantwortlich, AMR auf dem europäischen Markt einzuführen. „Bislang übernehmen Roboter und Menschen in Warenlagern unterschiedliche Aufgaben“, erklärt Teschner. Weil die Roboter bisher im Extremfall fest installiert und von Gittern oder anderen Sicherheitsschranken abgeschirmt an einem Ort stehen, sprechen Experten oft von „Robotern im Käfig“. Teschner: „Jetzt verlassen sie diese Käfige.“ Das hebt das Warehouse-Management auf eine neue Stufe: Lagerbetreiber können die Roboter flexibler einsetzen und mit deutlich komplexeren Aufgaben betrauen.

Ein Lagermitarbeiter von Verst Logistics legt Waren in die Körbe der mobilen Roboter, die den Weitertransport selbstständig übernehmen. So spart er Zeit, die er früher fürs Hin- und Herlaufen innerhalb des Lagers benötigte.
Mensch und Maschine arbeiten Hand in Hand: Auf Anzeigetafeln können die Mitarbeiter ablesen, welche Waren der Roboter transportieren soll.

lWir haben Erfahrung in der Logistik unserer Kunden, die Roboterherstellern fehlt.r

Dirk Teschner, Mitglied der Geschäftsleitung bei Inconso, einem Körber-Unternehmen

Körber integriert die Roboter für jeden Kunden

Die entscheidende Verbindung zwischen Robotern und Menschen stellt Körber her: Die Roboter kommen von Partnern wie zum Beispiel Fetch, Locus oder Geek+, ihre intelligente Integration übernimmt Körber – maßgeschneidert für die individuellen Kundenbedürfnisse. Genau zu wissen, was diese brauchen, ist die Stärke des Körber-Geschäftsfelds Supply Chain. „Wir haben Erfahrung in der Logistik unserer Kunden, die Roboterherstellern fehlt“, sagt Teschner. Auch weil die Experten im Geschäftsfeld seit Jahren erfolgreich an mobilen Datenfunkgeräten arbeiten, die in Lagern zum Kommissionieren von Waren eingesetzt werden. Die Hersteller liefern die Hardware und das Betriebssystem, die Körber-Spezialisten beraten die Kunden beim Aufbau der entsprechenden IT-Infrastruktur und passen die benötigten Softwarelösungen an. Ganz ähnlich wie beim Einsatz der Roboter.

Wie die AMR-Software beschaffen sein muss, hängt von vielen Faktoren ab: vom Aufbau des Lagers etwa, von der Breite der Gänge oder der Höhe der Regale. Und vom Rhythmus, in dem die Waren umgeschlagen werden. „Einige Kunden haben einen kontinuierlichen Warenstrom, bei anderen gibt es starke saisonale Schübe“, erklärt Santagate. Körber-Experten konfigurieren für die unterschiedlichen Anforderungen jeweils exakt passende Systeme.

Für das Lager von Verst in Kentucky wurde eine „Schwarmlösung“ entwickelt: Erhalten die Roboter vom Warehouse-Management-System (WMS) Aufträge, können sie diese mit den Stellen abgleichen, an denen sich gerade ein Picker befindet – und schwärmen aus. „Damit sind die Roboter wirklich intelligent“, freut sich Santagate. Großer Vorteil für den Kunden: Ein umständlicher und teurer Lagerumbau ist nicht notwendig; die Roboter können in den bestehenden Betrieb und die Prozesse integriert werden. Heute fahren knapp 30 AMR durch die Lager von Verst – und der Kunde des Unternehmens konnte sein Versprechen halten. „Ohne die Roboterlösung von Körber hätten wir das nicht geschafft“, sagt Hoerlein.

weniger Fußweg

legten Mitarbeiter durch die Einführung von autonomen mobilen Robotern (AMR) im Warenlager zurück.

Körber ist AMR-Vorreiter

In den USA gibt es etwa 4.500 Kunden mit einem WMS von Körber, die geeignet sind für solche Lösungen, schätzt Santagate. 2.500 betreiben Warenlager, einige von ihnen bis zu 100 oder mehr. 70 Prozent der Körber-WMS-Kunden planen laut einer aktuellen Studie, AMR in den kommenden Jahren einführen zu wollen. „Die Technologie ist jetzt bereit für die breite Masse“, sagt Santagate. Die Zukunft der Robotik wird so zum integralen Bestandteil der umfassenden Angebote des Körber-Geschäftsfelds Supply Chain. Es ist ein enormer Wachstumsmarkt, denn auch für Europa sieht Teschner großes Potenzial. Ähnliches gilt für den Asien-Pazifik-Raum. Hier ist Körber seit 2019 durch den Zukauf des australischen Unternehmens Cohesio Group präsent, das in der Region als Pionier in Sachen AMR gilt.

lDie Roboter werden einfach an die Systeme angeschlossen, und los geht’s.r

John Santagate, Vice President Robotics bei Körber Supply Chain Software

Dabei bietet Körber nicht nur diese innovative Technologie, sondern unterstützt auch ein neuartiges Geschäftsmodell: Robots-as-a-Service. Logistikunternehmen halten die Budgets für Lager gerne klein, deshalb können sie die Roboter über Körber auch mieten. Etwa mit einem Dreijahresvertrag, inklusive Wartungsarbeiten und regelmäßiger Softwareaktualisierung. Auch kurzfristige Vermietungen sind möglich. „Gerade für Kunden mit saisonalen Schüben bieten wir damit einen großen Vorteil“, betont Teschner. Bislang gleichen Lagerbetreiber solche Spitzen mit Kollegen aus, die über Zeitarbeitsfirmen in die Betriebe kommen. „Diese müssen immer wieder eingearbeitet werden“, sagt Teschner. Kombinieren Lagerbetreiber stattdessen ihre top eingearbeitete Stammbelegschaft mit Roboter-Helfern für diese Saisonschübe, „geht’s direkt los, denn die Roboter werden einfach an die Systeme angeschlossen“, ergänzt Santagate.

Mit zwei deutschen Kunden starten demnächst erste Testläufe. „Erste Lager, in denen AMR eingesetzt werden, könnten im kommenden Jahr in Betrieb gehen“, sagt Teschner. Dass die Kollegen in den USA mit dem Verst-Projekt bereits den Beweis der Praxistauglichkeit erbracht haben, habe die neuen Kunden direkt überzeugt.

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