Supply Chain

Das größte Potenzial in der Logistik: Wie AMR helfen können

Nishan Wijemanne, Global Leader AMR & Robotics im Körber-Geschäftsfeld Supply Chain

Die Automatisierung von Lagern ist der größte Trend in der Logistik. Die neueste Generation autonomer mobiler Roboter (AMR) hebt Flexibilität, Effizienz und Sicherheit auf ein neues Niveau.

Es ist ein ganz normaler Sonntagabend im Lager eines Logistikunternehmens in Sydney, Australien. Kleine, wendige Roboter manövrieren wie rollende Untertassen durch die Gänge, scannen selbstständig die Karton-Etiketten von Modeartikeln, heben die Kartons selbstständig von den Paletten und transportieren sie schnell, selbstständig und ununterbrochen zu den entsprechenden Fächern im Versandbereich. Es herrscht Hochbetrieb, aber wie von Geisterhand kreisen die Roboter immer in sicherem Abstand umeinander und passen ihre Route scheinbar wie von selbst an.

Was noch vor Kurzem wie die Handlung eines Science-Fiction-Romans klang, gehört heute zum Arbeitsalltag an zahlreichen Logistikstandorten in aller Welt. Autonome mobile Roboter – kurz: AMR – haben sich in den letzten Jahren von eher elitären Zukunftslösungen zu flexiblen Business-Lösungen für die Lagerautomatisierung entwickelt – und verstärken damit den globalen Trend zum digitalen Workflow entlang der gesamten Lieferkette. Die Intralogistik steht dabei besonders im Fokus: Im Warenlager 4.0 werden bereits heute zahlreiche Tools aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) zur Prozessoptimierung eingesetzt. Diese reichen von Smart Glasses (so genannte „Datenbrillen“, die als tragbare Computer Informationen zum Sichtfeld des Benutzers hinzufügen) für die Kommissionierung bis hin zu speziellen Lager-Apps zur Bestands- oder Fehlererkennung. Besonders der AMR-Markt boomt: Laut dem "Autonomous Mobile Robots Market Research Report" von 2020 setzt die AMR-Branche bereits 29,3 Milliarden Dollar um – bis 2030 soll sich die Summe auf 220 Milliarden Dollar fast verzehnfachen. Der E-Commerce-Boom, der durch die COVID-19-Pandemie beschleunigt wurde, trägt maßgeblich zu diesem Wachstum bei, flankiert von technologischen Innovationen im Bereich der KI und der steigenden Nachfrage nach Flexibilität in der Lieferkette. Und das Kosten- und Sicherheitspotenzial ist enorm.

Enge Zusammenarbeit im Warenlager – Mitarbeiter und AMR in einer von Körber entworfenen Automatisierungslösung

Der jüngste Quantensprung ist der Übergang von fahrerlosen Transportfahrzeugen (Automated Guided Vehicles, AGV), die seit Jahrzehnten in der Lagerverwaltung eingesetzt werden, zu selbstlenkenden und selbstdenkenden AMR – also von automatischen zu autonomen Systemen oder von mehr Effizienz zu mehr Flexibilität. Flurförderzeuge sind meist mit Lasersensoren und Videokameras ausgestattet, die ihre aktuelle Umgebung ständig mit ihrer Aufgabe und der Karte des Lagers abgleichen. "Dank künstlicher Intelligenz erkennen die AMR selbstständig, ob ein Hindernis dauerhaft oder temporär ist", erklärt Nishan Wijemanne, Global Leader AMR & Robotics im Körber-Geschäftsfeld Supply Chain. "So können sie beispielsweise auf andere Routen ausweichen, während herkömmliche AGV warten müssen, bis ein Hindernis verschwunden ist.“

Flexibel, schnell und skalierbar

Die weiteren Vorteile: AMR können auf engem Raum eingesetzt werden, um Platz und Kosten zu sparen. Sie arbeiten zu jeder Tages- und Nachtzeit ohne Unterbrechung – selbst in Kühllagern. Und da Routen und Einsatzgebiete nicht im Voraus festgelegt werden müssen, können AMR viel flexibler und schneller eingesetzt werden als AGV und lassen sich je nach Bedarf skalieren – ein großer Vorteil für dynamische Geschäftsbereiche wie Logistikdienstleister und wachstumsstarke Kunden aus dem eCommerce und Einzelhandel. "Je mehr sie mit dem Lagerbetrieb verbunden sind, desto mehr können sie als Datenquelle für die Prozessoptimierung dienen", sagt Wijemanne.

AMR ersetzen keineswegs AGV auf allen Ebenen, sondern sind vielmehr die perfekte Ergänzung. Selbstfahrende Fahrzeuge können deutlich höhere Gewichte bewältigen und sind für Schwerlasttransporte im Dauerbetrieb, zum Beispiel in der Automobilindustrie, nach wie vor überlegen. AMR hingegen eignen sich für den Transport leichterer Lasten (Kisten und kleinere Paletten) in vielfältiger Weise – zum Beispiel in der Kommissionierung als mobile Assistenten für Lagermitarbeiter, im Regal-zu-Person- und Person-zu-Regal-Prozess. Oder in der Paketsortierung als intelligentes Transportmittel für den Versandbereich.

"Die Herausforderung für Unternehmen besteht heute vor allem darin, möglichst flexible Einsatzlösungen zu entwickeln und diese optimal in ihre Standorte und Systeme zu integrieren", so Wijemanne. Körber ist mit seiner langjährigen Expertise und bewährten Partnern in den drei Hauptmärkten Nordamerika, Europa und Asien-Pazifik einer der führenden Anbieter für maßgeschneiderte AMR-Architekturen in diesem Bereich. Durch weltweite Partnerschaften mit führenden Roboterherstellern ist das Körber-Portfolio je nach Bedarf auf komplexe Lagersysteme nahezu jeder Art skalierbar.

Lagermitarbeiter müssen Teil der Lösung sein

Das Angebot von Körber reicht von einer umfassenden Betriebsprüfung vor Ort über die Prozessanalyse, das Lösungs- und Prozessdesign, die Roboterkonfiguration bis hin zur Inbetriebnahme, dem Change Management, der Schulung der Mitarbeiter und der laufenden Betreuung. "Beim Lösungsdesign arbeiten wir sehr eng mit den Lagermitarbeitern zusammen – sie müssen Teil der Lösung sein und gerne mit ihr arbeiten. AMR können nicht ohne sie oder gegen sie erfolgreich sein", sagt Wijemanne. Es gehört auch zu seinen Aufgaben, den Mitarbeitern die Vorteile aufzuzeigen. "Roboter nehmen den Mitarbeitern sich wiederholende alltägliche Aufgaben ab und verringern das Unfallrisiko am Arbeitsplatz erheblich", sagt Wijemanne. "Die Arbeitsplätze im Lager fallen keineswegs weg, sondern verlagern sich in Richtung Auftragsabwicklung, wertschöpfende Aufgaben, Bedienung und Überwachung."

Zu den AMR-Kunden von Körber zählen heute Europas führende Drogeriemarktkette dm, der Schweizer Logistikdienstleister CEVA, der australische Lebensmittelhändler Galipo, der australische Marktplatz Catch.com.au und der US-Einzelhändler evo. Für die Zukunft erwartet Wijemanne ein anhaltendes Wachstum im eCommerce, im Einzelhandel und insbesondere in der Lebensmittel- und Getränkeindustrie, deren Online-Handel sein Volumen allein im Pandemiejahr 2020 auf fast 4,9 Milliarden Dollar verdoppelt hat. Und die Roboter selbst? "Angesichts des Tempos der Forschung im Bereich KI und ML (Machine Learning) werden sie sehr schnell sehr viel schlauer werden. Der schnelle Software-Fortschritt wird sich zunehmend auf den Erfolg einer Lösung auswirken", sagt Nishan Wijemanne. "Technologisch befinden wir uns hier noch in den Kinderschuhen."

Sie wollen mehr erfahren über Körbers Robotiklösungen?

www.koerber-supplychain.com

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