Glossar – Nachhaltigkeit zum Nachschlagen

Von Chancengerechtigkeit bis Lieferkettensorgfalts­pflichtengesetz: Wir erklären die wichtigsten Begriffe rund um den Nachhaltigkeitsbericht.

Infolge der Exxon-Valdez-Ölkatastrophe im Jahr 1989 formte sich die Nichtregierungsorganisation (engl. Non-Governmental Organization, kurz NGO) Ceres. Joan Bavaria, damals Präsidentin von Trillium Asset Management, sah die Notwendigkeit, eine gemeinnützige, nachhaltigkeitsorientierte Organisation zu gründen mit dem Ziel, Umweltpraktiken von Unternehmen zum Besseren zu verändern. Benannt ist die NGO nach der römischen Göttin für Ackerbau und Fruchtbarkeit, die auch als Gesetzgeberin gilt. Ceres ist im Englischen die Kurzform für „Coalition for Environmentally Responsible EconomieS“.

Eine Sozialordnung soll unabhängig von sozialer Herkunft gerechte Bedingungen und Voraussetzungen bei Ausbildung, Karriere und gesellschaftlich-sozialer Entwicklung sowie gerechten Zugang zu sozialen Gütern und Positionen ermöglichen.

Der Equity-Share-Ansatz und der Control-Ansatz sind die beiden vom GHG-Protokoll vorgeschlagenen Konsolidierungsansätze. Wird der Kontrollansatz gewählt, übernimmt das Unternehmen die volle Verantwortung für alle Emissionen aller Organisationseinheiten in einem Jahr. Beim Equity-Share-Ansatz hingegen berichtet das Unternehmen die Emissionen auf Basis seines Anteils am jeweiligen Unternehmen. Im Rahmen des Kontrollansatzes kann das Unternehmen entweder den Ansatz der finanziellen Kontrolle wählen, bei dem der Anteil der Emissionen entsprechend den Eigentumsverhältnissen erfasst wird, oder den Ansatz der operativen Kontrolle, bei dem 100 % der Emissionen erfasst werden. 

Corporate Citizenship (CC) beschreibt das gesellschaftliche Engagement von Unternehmen über die eigene Geschäftstätigkeit hinaus. Darunter fallen vor allem Spenden-, Sponsoring- und Stiftungsaktivitäten, aber auch die Förderung des Einsatzes von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Ehrenämtern.

Der rechtliche und faktische Ordnungsrahmen für die Leitung und Überwachung von Unternehmen zum Wohl aller relevanten Stakeholder wird maßgeblich durch Gesetzgeber und Eigentümer bestimmt. Die Ausgestaltung obliegt dem Aufsichtsrat und der Unternehmensführung. Das unternehmensspezifische Corporate-Governance-System besteht aus der Gesamtheit relevanter Gesetze, Richtlinien, Kodizes, Absichtserklärungen, dem Unternehmensleitbild sowie der Gewohnheit der Unternehmensleitung und -überwachung.

Klimaneutral (engl. carbon-/CO₂-neutral) ist definiert durch einen international gültigen Standard (PAS 2060), der Anforderungen für die Bemessung, Reduktion und Verrechnung von Treibhausgasen festlegt. Das Regelwerk wurde 2010 erstmals von der British Standards Institution veröffentlicht. Es beschreibt den klimaneutralen Fußabdruck als einen Zustand, in dem eine Aktivität (z. B. Produktion, Flug) keinen Einfluss auf die globalen CO₂-Emissionen in die Atmosphäre hat und somit klimaneutral ist. Laut Standard wird dafür ein bestimmter Zeitraum betrachtet.

Wörtlich übersetzt mit „von der Wiege zur Wiege“ und genauer mit „vom Ursprung zum Ursprung“ geht C2C auf ein von dem deutschen Chemiker Prof. Dr. Michael Braungart und dem US-amerikanischen Architekten William McDonough in den 1990er-Jahren entwickeltes Prinzip zurück. In der Idealform werden so perfekte Kreisläufe geschaffen, in denen kein Müll mehr anfällt, da alle Rohstoffe und Materialien – chemisch unbedenklich und kreislauffähig – wieder genutzt werden können.

Diversity wird oft mit dem Begriff Vielfalt übersetzt. Vielmehr bedeutet es jedoch den bewussten Umgang mit Vielfalt in der Gesellschaft. Es zielt auf die Anerkennung und Wertschätzung aller Menschen unabhängig von Herkunft, Geschlecht oder sexueller Orientierung, religiöser Zugehörigkeit oder physischen bzw. psychischen Fähigkeiten oder anderen Merkmalen ab. Dabei soll es nicht vorrangig um die Unterschiede gehen, sondern darum, Gemeinsamkeiten zu entdecken. Ziel sind der Abbau von Diskriminierung und die Förderung von Chancengerechtigkeit.

Ein optimierter Ressourceneinsatz, naturverträgliche Technologien und erneuerbare Energien sowie eine längere Nutzungsphase von Gütern sind die drei Hauptstrategien des Ecodesign. Ziel ist es, mithilfe dieser Strategien einen möglichst großen Nutzen aus einem Produkt für alle beteiligten Akteure entlang der Wertschöpfungskette bei minimaler Umweltbelastung und unter sozial fairen Bedingungen zu erreichen.

Umwelt, Gesellschaft und Unternehmensführung (engl. Environment, Social, Governance, kurz ESG) ist ein Konzept, das Investoren auf den Kapitalmärkten häufig verwenden, um das Verhalten von Unternehmen zu beurteilen und ihr finanzielles Potenzial zu bewerten. Nur ein System, das alle drei Bereiche gleichermaßen berücksichtigt, ist wirklich nachhaltig. Für uns bedeutet Nachhaltigkeit daher eine ausgewogene ökologische, soziale und unternehmerische Verantwortung. 

Emission bezeichnet die Abgabe von Stoffen und Gasen oder Energie wie Strahlung und Wärme in die Umwelt, meist in die Erdatmosphäre. 

Der Emissionsfaktor ist Ausdruck für das Verhältnis der Masse eines freigesetzten (emittierten) Stoffes zu der produzierten Energieeinheit. Der Emissionsfaktor (engl. Emission Factor) ist sowohl abhängig vom Ausgangsstoff als auch vom Prozess sowie vom zu betrachtenden (emittierten) Stoff.

Treibhausgase (engl. Greenhouse Gas, kurz GHG) sind Gase, die zum Treibhauseffekt beitragen und letztlich auch zur Erwärmung der Erdoberfläche. Nach dem Kyoto-Protokoll sind sechs Treibhausgase definiert: 

  • Kohlendioxid (CO₂)
  • Methan (CH₄)
  • Distickstoffoxid (N₂O)
  • halogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (H-FKW)
  • Fluorkohlenwasserstoffe (FKW) 
  • Schwefelhexafluorid (SF₆)

Sonnenlicht oder Strahlung dringt leicht durch diese Gase und die Atmosphäre. Diese Strahlung wird von der Erdoberfläche absorbiert und meist als Wärme wieder abgegeben. Durch den Anstieg von CO₂ in der Erdatmosphäre kann immer weniger der angestauten Wärme ins Weltall entweichen, die Folge ist die weitere Erwärmung der Erde.

Das GHG Protocol gilt als der am weitesten verbreitete Standard zur Erstellung von Treibhausgasbilanzen. Es ist eine private transnationale Standardreihe zu Bilanzierung von Treibhausgasen und zum dazugehörigen Berichtswesen für Unternehmen. Es stellt Unternehmen ein transparentes, konsistentes und ganzheitliches Rahmenwerk zur Verfügung, um ihre Emissionen offenzulegen.

Ziel der GRI (Global Reporting Initiative) ist es, Unternehmen und Organisationen transparente Richtlinien für die Erstellung von Nachhaltigkeitsberichten anzubieten. Die GRI wurde 1997 von Ceres in Partnerschaft mit dem Umweltprogramm der Vereinten Nationen gegründet. Die GRI-Richtlinien sollen die nachhaltige Entwicklung weltweit fördern und einheitliche, transparente Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung ermöglichen.

Das Prinzip der Kreislaufwirtschaft setzt darauf, den Lebenszyklus von Produkten so lange wie möglich aufrechtzuerhalten. Bestehende Materialien und Produkte sollen durch langlebige Konstruktion, Instandhaltung, Reparatur, Wiederverwendung, Remanufacturing, Refurbishing oder Recycling so lange wie möglich genutzt werden. Das trägt zur Reduktion von Ressourceneinsatz, Emissionen und Abfall bei.

Das Gegenteil davon wird meist mit Linearwirtschaft, auch Wegwerfwirtschaft, bezeichnet. Es ist das derzeit vorherrschende Prinzip der industriellen Produktion. Hier wird ein Großteil der Güter und eingesetzten Materialien nach der Nutzung deponiert und verbrannt und nur ein geringer Anteil der Wiederverwendung zugeführt.

Das Kyoto-Protokoll wurde 1997 von der dritten Vertragsstaatenkonferenz der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen angenommen. Es ist 2005 in Kraft getreten und stellt weltweit den ersten völkerrechtlich verbindlichen Vertrag zur Eindämmung des Klimawandels dar. Dieser Vertrag verpflichtet die beteiligten Staaten, den Ausstoß klimaschädlicher Gase zu senken.

Entlang der gesamten Wertschöpfungskette eines Produktes von der Rohstoffgewinnung, dem Design, der Herstellung über die Logistik und die Nutzung bis hin zur Entsorgung oder Wiederverwertung sollen die Auswirkungen auf die Umwelt reduziert werden. Auch sozioökonomische Leistungen sollen über den gesamten Lebenszyklus verbessert werden.

Am 1. Januar 2023 tritt das Gesetz über die unternehmerischen Sorgfaltspflichten in Lieferketten in Kraft. Es verpflichtet deutsche Unternehmen mit einer Größe von 3.000 oder mehr inländischen Arbeitnehmern dazu, menschenrechtliche Sorgfaltspflichten innerhalb ihrer Lieferketten zu achten. Das Gesetz geht zurück auf die Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte der Vereinten Nationen.

Der Begriff Nachhaltigkeit wird bei Körber synonym mit dem Begriff CSR (Corporate Social Responsibility) verwendet. Obwohl CSR in der Theorie enger definiert ist, da es sich auf den spezifischen Beitrag bezieht, den Unternehmen zur Nachhaltigkeit leisten, verwenden wir bei Körber den Begriff Nachhaltigkeit, um unsere gesellschaftliche Verantwortung als Unternehmen kurz und einfach auszudrücken.

Das Konzept hinter Net Zero besteht darin, so viel Kohlendioxid aus der Atmosphäre zu entfernen, wie produziert wird. Der Begriff ist eine Antwort auf die wachsende Nachfrage nach ambitionierten Verpflichtungen zum Klimaschutz. Im Rahmen der Klimaneutralität (engl. Carbon Neutrality) müssten nur Scope 1 und Scope 2 ausgeglichen werden. Net Zero versucht, den Standard anzuheben und die Lücke zu schließen, die Klimaneutralität noch offenlässt. Darunter die Festlegung eines Mindestziels für die CO₂-Reduzierung, das sich auf den Großteil der Scope-3-Emissionen innerhalb eines festgelegten Zeitrahmens bezieht, sowie die schrittweise Weiterentwicklung von Klimaschutzprojekten, die CO₂-Emissionen ausgleichen, hin zu Projekten, die CO₂ entfernen (Carbon Removal).

Das Übereinkommen von Paris ist ein völkerrechtlicher Vertrag, den 195 Vertragsparteien anlässlich der Klimarahmenkonvention der Vereinten Nationen mit dem Ziel des Klimaschutzes am 12. Dezember 2015 verabschiedet haben. Es sieht die Begrenzung der menschengemachten globalen Erwärmung auf unter 2 °C gegenüber vorindustriellen Werten vor.

Gemeinsame Initiative von CDP, UNGC, WRI und WWF, die Methoden und Kriterien für effektiven Klimaschutz in Unternehmen entwickelt hat und Unternehmensziele validiert. Solche Ziele müssen Scope 1 und 2 gemäß den Greenhouse Gas Protocol Standards berücksichtigen. Wenn die Scope-3-Emissionen eines Unternehmens mehr als 40 % seiner gesamten Scope-1-, Scope-2- und Scope-3-Emissionen ausmachen, müssen die Ziele auch Scope 3 abdecken. Der im Oktober 2021 lancierte Net-Zero-Standard gibt Unternehmen weiter einen wissenschaftlich fundierten Rahmen für die Festlegung von ambitionierten und effektiven Klimazielen mit dem langfristigen Ziel von Netto-Null-Emissionen.

https://sciencebasedtargets.org/

Im Rahmen der Agenda 2030 der Vereinten Nationen wurden die 17 Entwicklungsziele für nachhaltige Entwicklung definiert. Sie verknüpfen das Prinzip der Nachhaltigkeit mit der ökonomischen, ökologischen und sozialen Entwicklung gleichermaßen. Die Ziele sind universell und gelten sowohl für Entwicklungs- als auch für Schwellen- und Industrieländer.

https://sdgs.un.org/goals

Die Systemgrenzen legen fest, welche Standorte, Emissionsquellen und Treibhausgase in die Emissionsberechnung einbezogen werden. Sie sorgen somit für Transparenz hinsichtlich des Umfangs des Inventars. Es wird zum einen unterschieden zwischen operativen Systemgrenzen, die die Entscheidung über die Emissionsquellen und Treibhausgase umfasst, die in die Emissionsberechnung einbezogen werden sollen. Die Festlegung der organisatorischen Systemgrenzen wiederum beinhaltet die Definition des zu verwendenden Konsolidierungsansatzes und damit der relevanten Standorte für die Datenerhebung und Emissionsberechnung sowie der von der Berechnung erfassten Jahre. 

Der erste Emissionsbereich (Scope 1) umfasst alle Emissionen, die vom Unternehmen direkt ausgehen. Im zweiten Bereich (Scope 2) werden die Emissionen aus eingekaufter Energie wie Strom und Gas erfasst. Im dritten Emissionsbereich (Scope 3) werden die indirekten Emissionen erfasst und in insgesamt 15 Kategorien eingeteilt. Sie betreffen Emissionen, die aus vor- und nachgelagerten Stufen der Wertschöpfungskette entstehen. Hierzu zählen zum Beispiel Emissionen aus eingekauften Gütern, aber auch der Logistik sowie der Nutzung unserer Produkte und Dienstleistungen.

Das Value Engineering ist eine prozessorientierte und strukturierte Denkmethode für die Entwicklung von Innovationen oder auch bei Bauprojekten. Ziel ist es, einen möglichst hohen Wert oder Nutzen für den Kunden, in Bezug zu den Ressourcen, bei möglichst niedrigem Kosten- und Ressourceneinsatz zu erreichen. Der Ansatz kann für bestimmte Komponenten oder ein gesamtes Produkt angewendet werden.

Die Wesentlichkeitsanalyse oder auch Materialitätsanalyse ist ein Analysewerkzeug, das im Rahmen der strategischen Analyse angewendet wird. Sie dient dazu, die für ein Unternehmen und seine Anspruchsgruppen (Stakeholder) bedeutenden Nachhaltigkeitsthemen zu ermitteln. Wird nach der Global Reporting Initiative (GRI) ein Nachhaltigkeitsbericht erstellt, ist eine solche Wesentlichkeitsanalyse Pflicht.

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