Patricia Hofer-Wegener: Gegen den Strom

ArtikelJubiläums-Insights

Ein neuer Standort. Andere Strukturen. Eine andere Kultur. Patricias Geschichte zeigt, wie Veränderung gelingt – und warum sie nie allein entsteht.

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Foto von Patricia Hofer-Wegener

80 Jahre Körber

Patricia Hofer-Wegener, Körber-Standort: Richmond, USA  


„Patricia, hast Du Lust, in die USA zu gehen?“ 
 
Mit dieser Frage fing es 2024 an. 
 
Mein Mann und ich sind losgezogen – einmal über den Atlantik – und leben seitdem in Richmond. Für mich war das nicht nur ein Ortswechsel. 
Es war ein Systemwechsel.  
 
Von einem gut strukturierten Zentraleinkauf in Hamburg zu einem Standort, der historisch gewachsen ist. Prozesse, die unter anderen Rahmenbedingungen entstanden sind. Strukturen, die jahrzehntelang funktioniert haben. 
 
Und ich kam an – und habe mir die Dinge genau angeschaut.  
 
Für mich bedeutet Unternehmertum, bestehende Denkweisen kritisch zu hinterfragen. 

Resilienz zu haben. Verantwortung zu übernehmen.  

Und auch dann weiterzumachen, wenn es unbequem wird. 
 
Genau mit dieser Haltung bin ich in Richmond gestartet: 
Wie machen wir unseren Einkauf zukunftsfähig?  
Ich habe mich für mehr Lokalisierung starkgemacht.  
Mehr Eigenverantwortung.  
Mehr strategischen Fokus. 
 
Ich war – und bin – der Fisch, der gegen den Strom schwimmt. 
 
Das kann auch anstrengend sein. 
Du beißt dir die Zähne aus. Du führst Diskussionen – oft mehrfach.  
 
Aber wenn Du langfristig überzeugt bist, dass etwas notwendig ist, dann lohnt es sich, dranzubleiben. 
 
Veränderung ist kein Sprint. 
Sie ist ein zähes Ringen. 
 
Dann kamen die Zölle. Lieferkettenprobleme. Geopolitische Krisen.  
Spätestens jetzt war klar: Der stark operativ geprägte Einkauf der Vergangenheit reichte nicht mehr. 
 
Umso wichtiger war es, den Wandel aktiv voranzutreiben.  
 
Natürlich sind wir noch nicht am Ziel. 
Natürlich lassen sich Strukturen, die über Jahrzehnte gewachsen sind, nicht in wenigen Monaten verändern. Aber wir sind auf dem Weg. Und wir bauen etwas Nachhaltiges auf. 
 
Was ich gelernt habe: 
Transparenz ist der Anfang. 
Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Wie kommen wir dorthin? 
 
Dafür brauchst Du ein starkes Team, das mitzieht. Nicht mit der Brechstange.  
Sondern mit Argumenten. Mit Beispielen. Mit Empathie. 
 
Viele hier arbeiten seit Jahrzehnten am selben Standort.  
Wie sollen sie Veränderung verstehen, wenn Du sie nicht erklärst? 
 
Ich bin direkt. Sehr direkt. Das bleibt auch so. 
Aber ich habe gelernt, meine Direktheit mit mehr Ruhe zu verbinden. 
 
Veränderung funktioniert hier anders als in Deutschland. Sie braucht mehr Kontext. Mehr Beziehung. Mehr Feingefühl. Oder, wie eine Kollegin es nennt: mehr „american sugar coating“. 
 
Für mich hat sich gezeigt: 
Strategie ist wichtig. Aber den Unterschied macht Dein Team. 
 
Ohne ein starkes Team kannst Du gegen keinen Strom schwimmen. Ich habe hier Menschen, die Verantwortung übernehmen, die mitdenken, die Veränderung aktiv mitgestalten. Und genau darauf kommt es an.  

Das Team von Patricia Hofer-Wegener

„Nachhaltige Veränderungen funktionieren nur mit einem starken Team an meiner Seite – meinem A-Team. Und ich danke jedem Einzelnen, der diesen Weg mitgeht und mitgestaltet.“ 

Patricia Hofer-Wegener

Wenn ich heute jemandem einen Rat geben müsste, wäre es dieser: 
 
Bleib beharrlich. 
Rückschläge sind kein Stoppzeichen. 
Sie sind Teil des Weges. 
Beharrlichkeit ist die Voraussetzung für Wachstum. 
 
Und wenn Du überzeugt bist, dass der Weg richtig ist, dann schwimm weiter.  
Auch gegen den Strom. 
 
Denn manchmal merkt man erst später, dass genau dieser Widerstand Dich in die richtige Richtung gedrückt hat.

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