Automatisierung in der Pharmaproduktion: mehr Output ohne mehr Komplexität

ArtikelPharma & Life Sciences Insights

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Erfahren Sie, wie eine gezielte, integrierte Automatisierung die Produktionsleistung in der Pharmaindustrie steigern, Ausfallzeiten reduzieren, die Rückverfolgbarkeit verbessern und bestehende Produktionslinien flexibler gestalten kann – ohne unnötige Komplexität oder Prozessinstabilität zu verursachen.

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Zwei Mitarbeiter von Körber besprechen in einer Lagerhalle mithilfe eines Tablets Ideen.

„Wie holen wir mehr aus der bestehenden Linie heraus, ohne neue Instabilität in den Prozess zu bringen?“ Diese Frage begegnet uns in nahezu jedem Gespräch mit Produktionsverantwortlichen in Pharma, Biotech und Life Sciences. Der Druck ist real: Nachfrage schwankt starker, Produktportfolios werden komplexer, und gleichzeitig steigen die Anforderungen an Compliance und Ruckverfolgbarkeit.

Genau hier verandert Automatisierung die Ausgangslage, nicht als pauschales Prinzip von „mehr Maschinen, mehr Tempo“, sondern als gezielter Hebel an den Stellen, an denen Prozesse heute am meisten Reibung erzeugen.

Nicht „mehr automatisieren“, sondern klüger automatisieren

Der Druck auf pharmazeutische Produktionskapazität ist kein temporares Phänomen. Produktionsverantwortliche berichten branchenweit von starker schwankender Nachfrage bei gleichzeitig sinkender Toleranz für Lieferverzögerungen. Gleichzeitig zeigen unabhängige Analysen zur pharmazeutischen Fertigung, dass ungeplante Stillstandzeiten regelmassig zu den kostenintensivsten operativen Risiken zahlen – vor Materialkosten oder Personalfluktuation. Diese beiden Entwicklungen zusammen ergeben ein klares Bild: Hersteller müssen ihre bestehenden Anlagen intensiver nutzen, planbarer betreiben und schneller auf Nachfrageänderungen reagieren können. Und das in einem regulatorischen Umfeld, das keinen Spielraum für Kompromisse bei Qualität oder Dokumentation lasst.

Automatisierung ist in diesem Kontext kein technisches Add-on. Sie ist die Voraussetzung, um diese drei Anforderungen – mehr Output, mehr Planbarkeit, mehr Reaktionsfähigkeit – gleichzeitig zu erfüllen.

Die naheliegende Reaktion auf Kapazitätsdruck ist oft, einzelne Prozessschritte zu automatisieren – eine schnellere Abfüllanlage, ein zusätzliches Inspektionssystem, ein neuer Roboterarm. Das kann helfen. Es lost aber selten das eigentliche Problem. Die größte operative Reibung entsteht in der Praxis nicht an einzelnen Maschinen, sondern an den Übergangen dazwischen.

An Schnittstellen und Übergaben

Wenn Produkt, Daten oder Materialien zwischen Prozessschritten manuell übergeben werden müssen, entstehen Wartezeiten, Fehlerquellen und Informationsverluste. Eine Linie, die auf dem Papier automatisiert ist, aber an jeder Schnittstelle auf manuelle Kontrolle angewiesen ist, bleibt in ihrer Gesamtleistung limitiert.

Im Materialfluss

Wie Ausgangsstoffe, Verpackungsmaterial und Zwischenprodukte durch die Anlage bewegt werden, entscheidet oft starker über die tatsachliche Ausbringung als die Taktzeit der einzelnen Maschine. Unstrukturierter oder manuell gesteuerter Materialfluss erzeugt Engpasse, die sich erst in der Gesamtbetrachtung zeigen.

In der Linienintegration

Wenn Abfüllung, Inspektion, Kennzeichnung und Verpackung nicht als ein zusammenhangendes System, sondern als Aneinanderreihung einzelner Maschinen unterschiedlicher Hersteller funktionieren, wird jede Formatumstellung, jede Störung und jede Wartung zu einem eigenständigen Koordinationsproblem.

Bei wiederkehrenden manuellen Prozessschritten

Manuelle Freigaben, manuelle Dokumentation, manuelle Qualitätsprüfungen an vorhersehbaren Punkten im Prozess – das sind die Stellen, an denen Automatisierung den unmittelbarsten Effekt auf Durchlaufzeit und Fehlerquote hat, weil sie repetitiv, regelbasiert und damit prinzipiell automatisierbar sind.

Der entscheidende Unterschied liegt also nicht in der Menge an Automatisierung, sondern in der Präzision, mit der sie an den richtigen Stellen ansetzt.

Der konkrete Nutzen der Automatisierung für die Produktion

Wird Automatisierung an diesen Hebelpunkten eingesetzt, zeigt sich der Effekt in vier Dimensionen, die sich gegenseitig verstärken:

  • Höhere Ausbringung. Wenn Schnittstellen, Materialfluss und Linienintegration aufeinander abgestimmt sind, steigt die effektive Ausbringung – oft deutlich starker, als es die Optimierung einzelner Maschinen je konnte.
  • Weniger Stillstande und manuelle Eingriffe. Jede manuelle Übergabe ist ein potenzieller Fehlerpunkt und eine potenzielle Verzögerung. Wird sie automatisiert, sinkt nicht nur die Stillstandzeit, sondern auch die Variabilität im Prozess.
  • Besser planbaren Abläufen. Automatisierte Prozesse liefern konsistente, vorhersehbare Zykluszeiten. Das macht Kapazitätsplanung belastbarer – ein Vorteil, der besonders bei Nachfragespitzen oder saisonalen Schwankungen zum Tragen kommt.
  • Schnellere Reaktion auf Nachfrageänderungen. Eine Linie, die durchgängig automatisiert und integriert ist, lasst sich schneller umrüsten, skalieren oder auf ein neues Produktformat anpassen als eine Linie, die an jedem Übergang auf manuelle Koordination angewiesen ist.

Genau darin liegt der eigentliche Hebel: nicht in einer einzelnen Verbesserung, sondern im Zusammenspiel.

Wie das in der Praxis aussieht

Ein Beispiel macht den Unterschied deutlich. Eine Produktionslinie mit separat beschafften, unabhängig voneinander validierten Maschinen für Abfüllung, Inspektion und Verpackung funktioniert – bis eine Formatumstellung nötig wird. Dann zeigt sich, dass jede Maschine ihre eigene Steuerungslogik, ihre eigene Datenschnittstelle und ihre eigene Rüstzeit hat. Die Umstellung dauert Tage statt Stunden, weil niemand die Linie als Ganzes, sondern nur als Summe ihrer Teile gedacht hat.

Wird dieselbe Linie von Anfang an als integriertes System konzipiert – mit einer durchgängigen Steuerungsarchitektur, einem gemeinsamen Datenmodell für Track & Trace und einer Materialflusslogik, die Engpasse von vornherein vermeidet – verändert sich das Bild grundlegend. Formatwechsel werden zu Parametrierungen statt zu Projekten. Störungen an einer Station losen automatisierte Reaktionen an den benachbarten Stationen aus, statt manuelle Nacharbeit zu erfordern. Und weil Inspektionsdaten direkt in die Kennzeichnung und Serialisierung einfließen, entfallen manuelle Kontrollschritte, die in der ursprünglichen Konfiguration Tag für Tag Zeit gekostet haben.

Der Unterschied liegt nicht in der Anzahl der eingesetzten Technologien. Er liegt darin, ob sie als ein System gedacht wurden – oder als eine Ansammlung einzelner Losungen, die zufällig nebeneinanderstehen.

Fazit: Der Hebel liegt in der Präzision, nicht in der Menge

Das bedeutet, den Automatisierungsgrad nicht pauschal, sondern entlang der realen Prozessdaten zu bewerten: Wo entstehen die längsten Wartezeiten? Wo häufen sich manuelle Eingriffe? Wo zeigt die Anlagen Verfügbarkeit die größten Schwankungen? Diese Fragen – nicht der Wunsch nach der neuesten Technologie – sollten den Ausgangspunkt jeder Automatisierungsentscheidung bilden.

Ein Partner, der Prozessanalyse, Maschinenbau, Inspektionstechnologie, Track & Trace und Software aus einer gemeinsamen Systemlogik heraus denkt, kann diese Fragen entlang der gesamten Linie statt Station für Station beantworten. Der entscheidende Punkt ist dabei weniger, wer die Technologie liefert, als vielmehr, ob Steuerungslogik, Datenmodell und Verantwortung für die Linie als Ganzes von Anfang an zusammengedacht werden.

Automatisierung ist kein Selbstzweck. Der Wert entsteht nicht dadurch, dass möglichst viele Prozessschritte automatisiert werden, sondern dadurch, dass die richtigen Prozessschritte automatisiert werden – jene, die heute die größte operative Reibung erzeugen. Für Hersteller, die unter wachsendem Kapazitätsdruck stehen, ist das keine akademische Unterscheidung. Es ist der Unterschied zwischen einer Investition, die Komplexität reduziert, und einer Investition, die sie unbeabsichtigt vergrößert.

Mehr Output ohne mehr Komplexität ist möglich, wenn Automatisierung dort ansetzt, wo sie den größten Unterschied macht.


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Kevin Hillmann, Chief Digital Officer im Körber Geschäftsfeld Pharma

Kevin Hillmann

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