Ich bin in Italien aufgewachsen.
In der Nähe von Lucca in der Toskana, wo ich auch heute noch lebe.
Die Dörfer dort sind klein.
In meiner Nachbarschaft leben vielleicht zweihundert Menschen.
Jeder kennt jeden.
Dann bin ich nach Shanghai gezogen.
Und plötzlich hat sich alles verändert.
Die Wohnanlage, in der ich lebte, hatte etwa zwanzigtausend Bewohner.
Mehr Menschen als in vielen kleinen Städten meiner Heimat.
Shanghai selbst hat rund dreißig Millionen Einwohner.
Man kann vier Stunden lang mit dem Auto fahren und ist immer noch innerhalb derselben Stadt.
In diesem Moment wird einem schnell klar:
Die eigene Perspektive ist im Vergleich zur Welt sehr klein.
Und ebenso schnell wurde mir klar, dass der Führungsstil, den ich gewohnt war, dort nicht funktionierte.
In Italien setzt man zwanzig Menschen in einen Raum – und bekommt direkt zwanzig Meinungen.
In China habe ich das anders erlebt.
In einer Besprechung hören die Leute aufmerksam zu und nehmen sich Zeit, bevor sie ihre Gedanken teilen.
Zuerst habe ich dieses Abwarten missverstanden.
Ich dachte, alles sei klar.
War es aber nicht zwangsläufig.
Also änderte ich meine Herangehensweise.
Und habe bewusst Räume geschaffen, in denen Austausch auf unterschiedliche Weise stattfinden kann – in der großen Runde und im direkten Gespräch.
Damit veränderte sich etwas.
Ideen wurden konkreter.
Fragen greifbarer.
Unterschiedliche Perspektiven sichtbarer.
Und mir wurde etwas Wichtiges klar:
In einer anderen Kultur funktioniert es nicht, die eigenen Maßstäbe einfach zu übertragen.
Veränderung beginnt bei einem selbst.