Als ich nach Japan gekommen bin, habe ich viel neues gelernt.
Die Geschäftskultur unterscheidet sich teilweise erheblich von dem, was ich aus Deutschland gewohnt war.
Insbesondere die Art und Weise, wie hier Entscheidungen getroffen werden, begleitet mich in meinem Arbeitsalltag.
In Deutschland diskutieren wir direkt.
Wir sprechen Dinge offen an, manchmal auch sehr energisch.
Irgendwann fällt eine Entscheidung — und dann geht es weiter.
In Japan funktioniert das anders.
Dort gibt es ein Konzept, das Nemawashi heißt.
Wörtlich bedeutet es:
Um die Wurzel gehen.
Bevor eine Entscheidung getroffen wird, spricht man mit allen Beteiligten.
Nicht im großen Meeting — sondern vorher. Einzeln. Persönlich.
Man hört zu.
Man versteht die verschiedenen Perspektiven.
Man nimmt Bedenken ernst.
Erst wenn die Wurzeln freigelegt sind, bewegt man den Baum.
Am Anfang dachte ich:
Das dauert viel zu lange.
Heute sehe ich darin eine große Stärke.
In Deutschland treffen wir Entscheidungen oft schneller. Dafür entstehen später manchmal neue Diskussionen oder Konflikte.
In Japan ist es umgekehrt:
Der Weg zur Entscheidung dauert länger
— aber wenn sie einmal getroffen ist,
dann stehen alle dahinter.
Weil jeder in den Entscheidungsprozess involviert war.
Und genau deshalb werden Entscheidungen anschließend konsequent umgesetzt.
In meiner Rolle bei Körber in Tokio arbeite ich genau zwischen diesen beiden Denkweisen.
Unsere Projekte sind komplex.
Viele Menschen weltweit sind beteiligt:
Kunden, Management, Ingenieure, Projektplaner.