Joris Brand: Nemawashi

ArtikelJubiläums-Insights

Für Joris hat die Arbeit in Japan seinen Blick auf Entscheidungen verändert. Dort lernte er ein Prinzip kennen, das viel über Zusammenarbeit in Japan verrät[JB1] : Bevor man einen Baum bewegt, [JB2] muss man zuerst um ihn herum gehen und seine Wurzeln verstehen.

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Foto von Joris Brand, einem Mitarbeiter von Körber.

80 Jahre Körber

Als ich nach Japan gekommen bin, habe ich viel neues gelernt.

Die Geschäftskultur unterscheidet sich teilweise erheblich von dem, was ich aus Deutschland gewohnt war.

Insbesondere die Art und Weise, wie hier Entscheidungen getroffen werden, begleitet mich in meinem Arbeitsalltag.

In Deutschland diskutieren wir direkt.
Wir sprechen Dinge offen an, manchmal auch sehr energisch.

Irgendwann fällt eine Entscheidung — und dann geht es weiter.

In Japan funktioniert das anders.
Dort gibt es ein Konzept, das Nemawashi heißt.
Wörtlich bedeutet es:
Um die Wurzel gehen.

Bevor eine Entscheidung getroffen wird, spricht man mit allen Beteiligten. 

Nicht im großen Meeting — sondern vorher. Einzeln. Persönlich.

Man hört zu.
Man versteht die verschiedenen Perspektiven.
Man nimmt Bedenken ernst.

Erst wenn die Wurzeln freigelegt sind, bewegt man den Baum.

Am Anfang dachte ich:
Das dauert viel zu lange.

Heute sehe ich darin eine große Stärke.

In Deutschland treffen wir Entscheidungen oft schneller. Dafür entstehen später manchmal neue Diskussionen oder Konflikte.

In Japan ist es umgekehrt:
Der Weg zur Entscheidung dauert länger
— aber wenn sie einmal getroffen ist,
dann stehen alle dahinter.

Weil jeder in den Entscheidungsprozess involviert war.

Und genau deshalb werden Entscheidungen anschließend konsequent umgesetzt.

In meiner Rolle bei Körber in Tokio arbeite ich genau zwischen diesen beiden Denkweisen.

Unsere Projekte sind komplex.
Viele Menschen weltweit sind beteiligt:
Kunden, Management, Ingenieure, Projektplaner.

„Ein Teil meiner Arbeit besteht deshalb darin, Brücken zu bauen.“

Joris Brand

Körber-Standort: Tokio, Japan

Ich spreche mit einzelnen Beteiligten, kläre Missverständnisse, höre genau zu und versuche zu verstehen, welche Erwartungen und Perspektiven im Raum stehen.

Denn in Japan passiert ein großer Teil der eigentlichen Abstimmung vor dem Meeting.

Während des Meetings selbst wird meist nur noch die getroffene Entscheidung mit allen kommuniziert.

Diese Erfahrung hat mir gezeigt, wie wichtig Geduld, Respekt und Harmonie für nachhaltige Entscheidungen sind.

Gleichzeitig bringen wir aus Deutschland etwas mit, das ebenso wertvoll ist:
klare Kommunikation, Struktur und eine starke Umsetzungskraft.

Wenn beide Perspektiven zusammenkommen, entsteht etwas Neues.
Es geht nicht um die deutsche Arbeitsweise.
Oder die japanische Arbeitsweise.

Sondern um eine Zusammenarbeit, die das Beste aus beiden Welten verbindet.

Und das Prinzip Nemawashi begleitet mich bis heute.

Wer versucht, einen Baum einfach zu fällen, richtet Schaden an.
Wer zuerst versteht wo die Wurzeln liegen, und diese freilegt,
kann ihn bewegen, ohne etwas zu zerstören.

Für mich beschreibt dieses Bild sehr eindrücklich, wie gute Zusammenarbeit funktioniert.

Man hört zu.
Man baut Vertrauen auf.
Man versteht. wo die Wurzeln liegen.

Und erst dann bewegt man den Baum.
Gemeinsam.



Körber-Mitarbeiter lächeln

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