Umstellung des SAP WM auf S4/HANA - Teil 1

ArtikelSupply Chain Insights

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Mich erreichen immer wieder Fragen zur Umstellung des SAP WM auf S/4HANA, insbesondere dann, wenn SAP WM im Einsatz ist. Im Folgenden habe ich eine Übersicht der häufigsten Fragen zusammengestellt, die eng mit dem Stock Room Management verknüpft sind.

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Das Innere des SAP-Lagers ist gefüllt mit Regalen, in denen sich Kisten und Paletten stapeln.

Gibt es auch ein SAP WM unter S/4HANA?

Ja, wenn Sie von SAP ECC mit einem WM nach S/4HANA migrieren, wird das WM automatisch migriert. In der Regel sind keine größeren Konvertierungen erforderlich. Sie können das WM aber ohne Einschränkungen bis voraussichtlich 2025 auf S/4HANA weiter nutzen.

Wie lange kann ich mein aktuelles zentrales WM weiter nutzen?

Wenn Sie das WM auf SAP ECC nutzen, können Sie es so lange weiter nutzen, wie Sie SAP ECC betreiben. Allerdings werden die Wartungskosten für SAP ECC voraussichtlich ab 2027 steigen.

Wenn Sie von SAP ECC auf S/4HANA migriert haben, dürfen Sie WM nur noch bis zum 31.12.2025 uneingeschränkt betreiben. Nach diesem Datum können Sie es mit eingeschränkter Funktionalität unter dem Namen Stock Room Management weiter betreiben. Die folgenden Funktionen dürfen Sie voraussichtlich nach 2025 nicht mehr auf S/4HANA nutzen:

  • Task & Resource Management (TRM), welches teilweise als Staplerleitsystem und für die Steuerung von Automatiklagern eingesetzt wird
  • WM-LSR Schnittstelle, mit der häufig Automatiklager mit einem unterlagerten MFR des FT-Herstellers angebunden sind
  • Logistische Zusatzleistungen (LZL), wurden selten eingesetzt
  • Yard Management(WM-YM), wurde bisher kaum implementiert, da es nur für eine Lagernummer eingesetzt werden konnte
  • Cross Docking (WM-CD), wurde auch eher selten eingesetzt
  • Wave Management (WM-TFM-CP)

Dies hat keine technischen Gründe, sondern ausschließlich lizenzrechtliche Gründe.

Benötige ich eine Migration vom WM zum Stock Room Management?

Nein. Eine technische Migration vom SAP WM auf die neue Lagerverwaltung ist nicht notwendig. Sie können das SAP WM einfach ohne Umstellung weiter betreiben. Das einzige, was sich ändert, ist der Name und die damit verbundenen Lizenzbedingungen, die die Nutzung einiger Funktionalitäten nach 2025 wahrscheinlich verbieten werden.

Muss ich für das Stock Room Management zusätzliche Lizenzen zahlen?

Nein. Die Benutzerlizenzen werden wie bei WM benötigt, und in der Regel haben Sie diese bereits. Es sind keine zusätzlichen Lizenzen erforderlich. Das Gleiche gilt auch für das eingebettete EWM, wenn Sie nur die Grundfunktionen nutzen, die denen der Lagerverwaltung entsprechen.

Für welche Lager ist Stock Room Management gedacht?

Stock Room Management ist für kleine und manuelle Lager gedacht. Das zeigt sich schon an den Funktionalitäten, die nach 2025 wahrscheinlich nicht mehr verwendet werden dürfen. Diese sind für kleine manuelle Lager in der Regel nicht relevant.

SAP hat erkannt, dass viele Kunden und Beratungsunternehmen nicht die Zeit haben würden, die vielen tausend WM-Installationen für kleine und manuelle Lager bis 2025 auf Embedded EWM umzustellen. Einige Kunden wollten ihre Migration auf S/4HANA aus diesem Grund sogar aussetzen. Mit Stock Room Management ist dies nicht mehr nötig, so dass SAP hier einen sehr guten Schritt auf seine Kunden zu gemacht hat.

Nachteile hat SAP durch dieses Zugeständnis allerdings kaum erlitten. Da der Einsatz von Embedded EWM für solche Läger in der Regel ohnehin keine EWM-Lizenzen nach sich ziehen würde, hat SAP durch Stock Room Management kaum Nachteile bei den Lizenzeinnahmen, die die eigentliche Motivation für SAP EWM sind.

Ich habe S/4HANA und benötige für ein neues ganz einfaches Lager ein LVS. Kann ich dafür das Stock Room Management verwenden?

Ja, SAP erlaubt dies. Ob das allerdings sinnvoll ist, ist eine andere Frage. In Fällen, in denen ein einfaches Lager nur temporär betrieben wird, ist Stock Room Management auf jeden Fall eine Alternative, weil die Implementierung etwas schneller und günstiger ist als bei einem eingebetteten EWM. In anderen Fällen ist ein einfaches eingebettetes EWM in der Regel die bessere Lösung im Hinblick auf mögliche neue funktionale Anforderungen, die in der Zukunft entstehen können.

Was die Lizenzkosten angeht, so sind in beiden Fällen in der Regel nur die Benutzerlizenzen erforderlich, so dass sich die beiden Lösungen in dieser Hinsicht nicht unterscheiden.

Ich habe ein WM mit vielen Zusatzentwicklungen, die auf SAP ECC laufen. Was muss ich tun, wenn ich auf S/4 HANA umsteigen möchte?

Diese Frage betrifft zwei sehr wichtige Aspekte, nämlich den funktionalen und den lizenzrechtlichen Aspekt.

Lassen Sie uns mit dem funktionalen Aspekt beginnen. Viele Kunden haben im Laufe der Jahre viel Zeit und Geld in die Entwicklung optimierter Dialoge und Strategien investiert, um ihr Lager so effizient wie möglich zu betreiben. Natürlich geben sie diese Optimierungen nur ungern wieder auf.

Es ist unbestritten, dass ein EWM eine viel bessere Funktionalität hat als ein WM, aber in der Regel hat kein Lagerverwaltungssystem der Welt solche individuellen Optimierungen im Standard, auch das EWM nicht. Bei einer Umstellung auf EWM müssten diese Optimierungen neu entwickelt werden. Die reine Benutzeroberfläche der Dialoge könnte sogar in Teilen übernommen werden, da es sich um die gleiche Programmiersprache handelt. Da sich aber alle Tabellen und Datenstrukturen im EWM vom WM unterscheiden, ist der Aufwand für die notwendigen Anpassungen sehr hoch. Nicht selten müssen beim Wechsel von WM zu EWM Prozesse optimiert werden, so dass einige Dialoge oder Strategien nicht mehr passen.

Könnte und sollte man in solchen Fällen diese Zusatzentwicklungen mit der Lagerverwaltung weiter nutzen?

Ja, das ist - zumindest nach heutigem Stand - lizenzrechtlich erlaubt, unabhängig von der Größe des Add-ons oder der Zusatzentwicklung. Es gibt derzeit keine lizenzrechtlichen Einschränkungen seitens der SAP für solche Zusatzentwicklungen. Und SAP hat auch nicht angekündigt, dass sich dies ändern wird. Technisch gesehen können Sie die Zusatzentwicklungen problemlos weiter verwenden, da sich in der Lagerverwaltung technisch nichts gegenüber dem WM ändert, d.h. die Zusatzentwicklungen greifen auf die gleichen Datenstrukturen zu wie im WM.

Es ist jedoch wichtig zu prüfen, ob in solchen Fällen eine der Funktionen verwendet wird, die nach 2025 wahrscheinlich nicht mehr verwendet werden darf. Das ist oft der Fall. Und dann wird es kompliziert.

Wir haben bei Körber Supply Chain in vielen Projekten eine komplette Materialflusssteuerung ohne Task & Resource Management realisiert und sind mit dem WM auch auf die SPS-Ebene gegangen. Wir haben also keine WM-LSR-Schnittstelle im Einsatz und auch keine der anderen Funktionalitäten, die nicht mehr genutzt werden können. In einem solchen Fall kann das WM mit allen Add-ons und Zusatzentwicklungen wahrscheinlich auch nach 2025 unter Stock Room Management weiter betrieben werden.

Allerdings ist die Entscheidung auch in diesen Fällen nicht einfach. SAP EWM bietet deutlich mehr Funktionalität als das WM. Dies gilt z.B. für die Integration mit SAP PP (Produktion), SAP QM aber auch mit SAP TM (Transportmanagement) oder dem Eventmanagement. Wenn Sie diese Vorteile nutzen wollen, müssen Sie auf SAP EWM umsteigen, auch wenn dies ein großes Projekt ist und Geld kostet. In Bezug auf die Zukunftssicherheit sind Sie mit EWM auf der sicheren Seite.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass es keine pauschale Antwort gibt und dass jeder Einzelfall sorgfältig geprüft werden sollte. Manchmal lässt sich in solchen Fällen eine Umstellung auf SAP EWM geschickt mit einer Erweiterung und anderen größeren Veränderungen im Lager kombinieren.

Dieser Artikel ist Teil 1 einer Serie von Körbers SAP-Experte Dr. Karten Fuchs zum Thema Migration Ihres SAP-Lagermoduls auf S/4HANA. Lesen Sie Teil zwei und auf dem Körber-Blog.

Lernen Sie unsere Autoren kennen

Dr. Karsten Fuchs - Director, Körber Supply Chain Consulting

Dr. Karsten Fuchs

Director, Körber Supply Chain Consulting

Dr. Karsten Fuchs ist seit 2005 Teil des Körber Supply Chain SAP-Teams und ist dem Hauptsitz in Bad Nauheim zugeordnet. Sein Schwerpunkt liegt im Presales SAP EWM für manuelle und hoch automatisierte Lager. Zusätzlich kümmert er sich um strategische Punkte rund um die Digitalisierung.

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