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Ihr Roboter hat noch nie von der Great Resignation gehört
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Gastbeitrag im Blog von Jordan K. Speer, Research Manager, Global Supply Chains, IDC Retail Insights

Historische Perioden werden oft erst Jahre, nachdem sie Geschichte geworden sind, nach ihren hervorstechenden Merkmalen benannt. Die jüngste Häufung von Ereignissen, die jede Normalverteilung sprengen, bringt jedoch in Echtzeit epochale Bezeichnungen hervor. Wir haben gerade das Jahr hinter uns gelassen, das bereits mit dem Stempel „The Great Resignation“ (Die große Kündigungswelle) versehen wurde.
Fachkräftemangel ist nichts Neues, insbesondere nicht für Lieferketten, in denen wir schon seit Jahren über den Mangel an Lagermitarbeitern und Fahrern sprechen. Doch die Auswirkungen der Pandemie haben die anhaltende Herausforderung bezüglich Arbeitskräften stark verschärft. Dies gipfelte im vergangenen September in einem neuen Höchststand, als 4,43 Millionen Menschen kündigten und damit eine Kündigungsquote von 3,0 % erreichten, dem höchsten je verzeichneten Wert, dicht gefolgt von einer Rekordkündigungsquote von 2,9 % im August.
Obwohl dies branchenübergreifend eine Herausforderung darstellt, wurden die Sektoren Lagerhaltung, Transport und Versorgungsunternehmen* mit einem Rekord von 589.000 offenen Stellen im September besonders hart getroffen. Der Mangel an Lager- und Transportmitarbeitern verursacht und verschärft Engpässe in der Supply Chain an Häfen, Bahnhöfen und Lagern, sodass Produkte nicht rechtzeitig an ihren Endbestimmungsorten ankommen und Container sowie Transporte nicht dorthin gelangen, wo sie als nächstes gebraucht werden.
Der Aufstieg des Omnichannel-Fulfillment
Die heutigen Herausforderungen auf dem Arbeitsmarkt sind nicht nur eine Frage der Zahlen, sondern auch der Art. Die Pandemie hat die Veränderungen im Einkaufsverhalten der Verbraucher enorm eingeleitet und beschleunigt, was traditionelle Jobs im Einzelhandel und entlang der Supply Chain um weitere Komplexitätsebenen ergänzt. Bedenken Sie, dass der heutige Fachkräftemangel mit einer Phase von stark wachsendem und sich beschleunigendem Omnichannel-Shopping zusammenfällt.
Im 2. Quartal 2021 machte der E-Commerce 13,3 % des gesamten US-Einzelhandelsumsatzes aus, verglichen mit 10,9 % des Umsatzes im gleichen Quartal 2019, so das U.S. Census Bureau. In tatsächlichem Dollar-Volumen entspricht dies zusätzlich online bestellten Waren im Wert von 80,8 Milliarden USD. Ein Großteil davon muss, sofern die Ware nicht per Click-and-Collect im Geschäft abgeholt wird (was sich seit Beginn der Pandemie ebenfalls astronomisch beschleunigt hat), aus einem DC, Micro-Fulfillment-Zentrum oder einer Filiale kommissioniert, verpackt und versandt werden.
Die Entwicklung hin zum Omnichannel-Fulfillment hat wahrhaftig einen Paradigmenwechsel herbeigeführt. Seit Hunderten von Jahren, sogar seit Jahrtausenden, kaufen Konsumenten im Wesentlichen auf die gleiche Weise ein: indem sie zu einem Marktplatz gehen oder fahren, sei es eine Agora im antiken Griechenland oder ein modernes Einkaufszentrum, dort ihre Artikel auswählen und diese nach Hause transportieren.
Der E-Commerce hat diese Gleichung auf den Kopf gestellt. Heutige Konsumenten verlangen, dass Artikel für sie kommissioniert, verpackt und an den Ort ihrer Wahl, innerhalb oder außerhalb des Geschäfts, transportiert werden. Dies hat die Komplexität und das Arbeitsvolumen weiter erhöht und das in einer Zeit, in der der Fachkräftemangel einen historischen Höchststand erreicht hat.
Die Kombination aus Fachkräftemangel, der Notwendigkeit zur Einhaltung von Abstandsregeln und der steigenden Nachfrage nach Omnichannel-Fulfillment hat zu einer Arbeitskrise geführt. In der Lagerhaltungsbranche werden diese Trends noch durch die Arbeitsmöglichkeiten verschärft, die der Fachkräftemangel eröffnet hat, Möglichkeiten auf Jobs, die körperlich weniger anstrengend sind als viele Lagerjobs, welche lange Tage des Hin- und Herlaufens, Bückens, Nach-oben-Greifens, Hebens schwerer Kisten und Arbeitens in hohem Tempo erfordern können, um harte Ziele zu erreichen.
Hier kommen AMRs ins Spiel
So ist die Einstellung und Bindung von Mitarbeitern zum akutesten Schmerzpunkt im Lager geworden und treibt Unternehmen dazu, die Automatisierung voranzutreiben, im gesamten Lager, insbesondere aber in der Robotik. In einer aktuellen Umfrage (Retail Core Processes, Mai 2021) geben Einzelhändler an, dass sie derzeit Warehouse Management (26,5 %), Fulfillment (45,5 %) sowie Roboterautomatisierung oder Co-Automatisierung (27,2 %) implementieren; für die nächsten 12 Monate planen sie die Implementierung von Warehouse Management (13,3 %), Fulfillment (18,3 %) sowie Roboterautomatisierung oder Co-Automatisierung (34,3 %); und für die nächsten 12-24 Monate planen sie die Implementierung von Warehouse Management (3,4 %), Fulfillment (5,6 %) sowie Roboterautomatisierung oder Co-Automatisierung (21,5 %).
Lagerautomatisierung ist der Prozess der Automatisierung der Bewegung von Beständen (und Daten) in, innerhalb und aus Lagern zu Kunden oder Konsumenten mit weniger Personalressourcen. Automatisierung ist in Lagern nichts Neues. Fortschritte in der Automatisierung digitaler und physischer Prozesse sowie in der Analytik, einschließlich Computer Vision, Track & Trace, Telemetrie, Microservices, APIs, Cloud, Software, KI und Robotik (die selbst diese Technologien beinhalten oder mit ihnen zusammenarbeiten), eröffnen jedoch neue Möglichkeiten, auf flexiblere und optimalere Weise zu automatisieren.
Insbesondere eine neuere Gruppe moderner, intelligenter Roboter, zu denen autonome mobile Roboter (AMR) und Roboterarme gehören, transformiert das Lager. Sie navigieren flexibel, „sehen“ Wege und Objekte um sich herum und arbeiten kollaborativ mit Menschen zusammen, sodass die Stärken beider Seiten genutzt und laufintensive sowie repetitive Aufgaben für Menschen minimiert werden.
Nicht wie Automatic Guided Vehicles (AGVs) auf feste Routen beschränkt, können AMR dynamisch navigieren, ihre eigenen Routen planen und die dynamischen Bewegungen von Menschen und anderen Objekten auf ihrem Weg umgehen. Sie können sogar einer bestimmten Person durch ein Lager folgen, sodass diese Person direkt in einen Roboter kommissionieren kann, während sie in einer bestimmten Zone verbleibt und Roboter hin und her fahren.
Ebenso können AMR ganze Aufgaben wie das Entfernen von Recyclingmaterial übernehmen, eine Tätigkeit, bei der menschliche Arbeit nicht sinnvoll eingesetzt wird. Warum? Weil diese Aufgabe mit viel Laufen und Heben oder dem Bedienen eines Gabelstaplers verbunden ist, keinen Mehrwert schafft und die Mitarbeiter weder inspiriert noch ihre Fähigkeiten nutzt, Faktoren, die in einem Umfeld, in dem den Menschen mehr Jobmöglichkeiten zur Verfügung stehen und sie nach ansprechenden, abwechslungsreichen und inspirierenden Erfahrungen suchen, noch mehr an Bedeutung gewinnen.
Zu den wirkungsvollsten Vorteilen, die sich aus dem Einsatz von AMR ergeben, gehören:
- Schnelle Steigerung der Produktivität
- Effiziente Skalierung
- Flexibilität
- Verbesserung der Genauigkeit
- Können andere feste/teure mechanisierte Anlagen ersetzen und Platz freigeben
- Übernahme repetitiver/nicht wertschöpfender Aufgaben, Handhabung schwerer Lasten
- Social Distancing in der Belegschaft
- Kollaborative Zusammenarbeit mit Menschen
- Freistellung von Menschen für Aufgaben, die besser für Menschen geeignet sind
- Kurze Schulungszeiten (Stunden statt Wochen)
- Mitarbeiterengagement
- Vielseitigkeit
Und glücklicherweise sind AMR so vielseitig und skalierbar, dass sie allen Lagern, vom einfachsten bis zum hoch orchestrierten Betrieb, helfen können, in ihrem eigenen Tempo zu modernisieren, wobei sie sich nur so viel zumuten, wie sie bewältigen können, und entsprechend Zeit, Budget und Anforderungen voranschreiten. Wie bei den meisten Technologien sollten Pläne zur Integration von AMR unter einer ganzheitlichen Betrachtung des Lagers und der an das Lager gestellten Anforderungen geprüft werden, damit der gesamte Organismus optimal und profitabel arbeiten kann.
* Das Bureau of Labor Statistics (BLS) schlüsselt diese Zahlen nicht separat auf.
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