Mythen, Prinzipien & konkrete Ansätze: Digitalisierung in der Logistik

ArtikelSupply Chain Insights

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Digitalisierung sollte kein Selbstzweck sein, vielmehr sollte sie Prozesse weg von Papier und physischer Anwesenheit hin zu Computern und dem Internet verlagern, um den Menschen das Leben zu erleichtern oder Prozesse kostengünstiger zu gestalten.

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Ein Netzwerk aus Linien und Punkten veranschaulicht die weltweite Vernetzung durch Digitalisierung und Logistik.

Der Mythos

In der allgemeinen Wahrnehmung haftet der Digitalisierung oft etwas Mystisches an, ein erstrebenswerter Zustand, den jedoch niemand jemals wirklich erreicht. Das mag für die absolute, finale Vollendung zutreffen, doch diese ist oft gar nicht zwingend erforderlich. Digitalisierung sollte kein Selbstzweck sein, vielmehr sollte sie Prozesse weg von Papier und physischer Anwesenheit hin zu Computern und dem Internet verlagern, um den Menschen das Leben zu erleichtern oder Prozesse kostengünstiger zu gestalten.

Im Prinzip ist bereits die Übertragung eines Papierformulars in eine App ein Akt der Digitalisierung, da etwas ehemals „Physisches“ nun digital existiert. Andererseits bewahrheitet sich aber auch die bekannte Berater-Weisheit: „Wenn Sie einen ineffizienten ‚Schrottprozess‘ digitalisieren, erhalten Sie einen digitalen Schrottprozess.“ In den meisten Fällen geht die Digitalisierung daher auch mit einer Änderung der Herangehensweise einher, oder es werden digitale Prinzipien in den neuen Prozess eingebettet.

Die Prinzipien

Die Digitalisierung mag vermeintlich neu sein, aber sie folgt dennoch einigen Regeln, die gar nicht so neu sind:

Geschwindigkeit schlägt Perfektion

Der wichtigste Grundsatz: Wer zuerst auf dem Platz ist, gewinnt. War WhatsApp technisch überlegen, und war die Lösung bereits perfekt? Nein, natürlich nicht, aber WhatsApp hat diesen Weg als Erster eingeschlagen; das Unternehmen hat sich einen freien Zugang verschafft und war der erste marktreife Messenger. Geschwindigkeit hat hier über Perfektion gesiegt. Die vorhandene Basisfunktion war bereits so überzeugend, dass andere Komfortfunktionen einfach warten konnten.

Der Gewinner bekommt alles (Winner takes it all)

Nennen Sie eine andere Social-Media-Plattform für Einzelnutzer außer Facebook! Wer waren noch gleich StudiVZ, MySpace? Es gab einige, aber auf lange Sicht hat der Marktführer alle anderen Akteure verdrängt und das Feld für sich erobert. Das gibt es bei einigen Anwendungen, zum Beispiel nicht nur bei Facebook, sondern auch bei WhatsApp.

Ein paar andere Messenger existieren zwar noch, aber deutlich unterhalb der Wahrnehmungsschwelle usw. Im Laufe der Zeit wurden viele Konkurrenten von diesem einen Marktführer verdrängt oder aufgekauft. Amazon und Facebook, aber auch Apple, haben hier gezeigt, wie Digitalisierung funktioniert – die größere Lösung setzt sich (vollständig oder größtenteils) gegen die kleineren durch, und neue, kleine Lösungen tun sich schwer, sich zu etablieren.

Daten sind das neue Erdöl

Daten gelten als das Erdöl des nächsten Jahrhunderts. Momentan ist es noch schwer vorstellbar, dass in vielen Branchen der Großteil der Gewinne nicht mehr aus dem Kernprodukt, sondern aus dem Verkauf von Daten über dessen Nutzung stammen wird. Eine Illusion derzeit, denn die Umsetzung dieser Regel erweist sich bislang als äußerst schwierig. Daten werden an vielen verschiedenen Stellen gesammelt, auch wenn heute noch sehr wenig damit gemacht wird. In vielen Bereichen sind Daten jedoch noch gänzlich nicht verfügbar.

Motoren aus dem letzten Jahrhundert haben schlichtweg keine Sensoren verbaut, um Wellendrehzahl und Öltemperatur permanent zu messen, daher sind diese Daten bei älteren Automobilen schlicht nicht vorhanden. Oft ist jedoch nicht einmal klar, was mit solchen Daten gemacht werden kann . Und niemand wird dafür bezahlen, wenn es keinen Nutzen gibt.

Fakten zur Digitalisierung

Sinnvolle, machbare Digitalisierung begegnet uns heute schon überall und jederzeit. Ein Urlaubsprozess, der nicht mehr papierbasiert ist sondern in einem System (oder zumindest per E-Mail) abläuft, stellt angewandte Digitalisierung dar und lässt sich im Zeitalter von Pandemien und Home-Office gar nicht mehr anders realisieren.

Denkt man dies beispielsweise einen Schritt weiter und überträgt es auf Kernprozesse, so kann die Digitalisierung einen Lieferschein- oder Kommissionierprozess vom Papier in eine Software überführen. Die Vorteile liegen hier auf der Hand: In den meisten Fällen laufen die Prozesse schneller ab , Wegezeiten werden eingespart und Änderungen müssen nicht mehr abgetippt werden.

Integrierte Softwaresysteme sind hilfreich

Die logische Fortführung der Digitalisierung ist die Überführung von Geschäftsprozessen in ein integriertes System, das das Zusammenspiel der Prozesse als solches unterstützt und optimiert. Hier bietet die SAP SE mit der S4/HANA -basierten erweiterten digitalen Lieferkette eine Lösung, die Anwender bei der Integration und Vernetzung von Prozessen nativ unterstützt.

Aber natürlich gilt nach wie vor: Der Prozess muss schlank, sinnvoll und adäquat sein, um alle Kundenbedürfnisse zu befriedigen. Hier kommen Berater wie wir ins Spiel, die den Kunden nicht nur bei der Implementierung im SAP-System , sondern auch bei der Prozessoptimierung in der Supply Chain beratend zur Seite stehen.

Natürlich gibt es auch andere Anbieter, die Software zur Unterstützung von Geschäftsprozessen anbieten, entweder sehr allgemein gehalten oder mit klarem Fokus auf die Lieferkette. BlueYonder wäre ein solches Beispiel, mit einem Fokus auf die Logistik- und Lieferkettenprozessen Ihrer Kunden und einem regionalen Schwerpunkt in Nordamerika.

Fazit

Digitalisierung ist ein Thema unserer Zeit und wird nicht wieder verschwinden. Alles und jeden Prozess zu integrieren, ist wohl nicht mehr aufzuhalten, zumindest dort, wo es Sinn ergibt. Ein Temperatursensor im Turnschuh ist technisch sicherlich machbar, aber zumindest mir fällt kein Nutzen ein, für den ein Anwender oder Werbetreibender bezahlen wollen würde.

Für viele andere Bereiche gibt es bereits Ideen oder fertige Anwendungen, die auf den ersten Blick verrückt klingen, aber dennoch funktionieren : Ein Aufzugshersteller nutzt ein Mikrofon, um der Aufzugstür beim Öffnen zuzuhören - daraus kann er den Verschleiß des Aufzugs erkennen und eine Wartung anbieten, bevor etwas ernsthaft beschädigt wird.

Aus meiner Sicht bleibt wichtig, dass Digitalisierung ist kein Selbstzweck ist und stets den Menschen unterstützen sollte. Dann werden wir in vielen spannenden Bereichen mehr gute Arbeitsplätze schaffen.

Körber-Mitarbeiter lächelnd

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