Da die Lagerabläufe immer komplexer werden, um der gestiegenen Nachfrage und den sich wandelnden Kundenerwartungen gerecht zu werden, erkennen Supply-Chain-Manager die Bedeutung der Logistikoptimierung zur Steigerung der Effizienz und zur Erhaltung der Gewinnmargen. Während die Lagerautomatisierung die Bandbreite vieler Standorte erhöht hat, sodass diese mehr Kundenbestellungen abwickeln können, müssen die Abläufe im Grunde „immer in Betrieb“ (always on) sein, um profitabel zu bleiben.
Dies schafft ein Dilemma für Standortleiter. Um die Effizienz zu optimieren, muss die Lagertechnologie agil genug sein, um neue Entwicklungen und Prozesse zu integrieren. Das ordnungsgemäße Testen neuer Methoden oder Werkzeuge auf der Lagerfläche stört jedoch die Abläufe und ist riskant.
Wie können Unternehmen diese Herausforderung bewältigen? Durch die Verwendung eines digitalen Zwillings — die Lagersimulation ermöglicht es Unternehmen, virtuelle Kopien ihrer Einrichtungen zu erstellen, um verschiedene Situationen und Bedingungen zu testen. Dies vermeidet nicht nur teure Betriebsstillstände, sondern ermöglicht es Lagerverwaltungsteams auch, verschiedene Grundrisse, Arbeitsabläufe, Automatisierungsbedingungen und andere Faktoren schnell zu testen, um festzustellen, wie sich die Änderungen auf die operative Kapazität und Leistung der Einrichtung auswirken. Durch den Einsatz eines digitalen Zwillings können Unternehmen optimierte Lagerdesigns erstellen, bevor mit der Reorganisation oder Neuzuweisung physischer Vermögenswerte (Assets) begonnen wird.
Laut McKinsey kann die Nutzung von digitalen Zwillingen zur Lager- und Logistiksimulation die Effizienz von Lagerstandorten um bis zu 25 Prozent verbessern.[1] Dies ist ein offensichtlicher und attraktiver Vorteil für Betriebsleiter — und der Grund, warum Gartner vorhersagt, dass bis 2021 50 Prozent der Industrieunternehmen ihre Lagereinrichtungen mithilfe digitaler Zwillinge entwerfen werden.[2] Hier erfahren Sie etwas mehr darüber, wie die Technologie funktioniert — und wie sie die Lieferkettenabläufe branchenübergreifend verbessern kann.
Funktionen der Lagersimulation
Verschiedene Arten von Lagersimulationssoftware bieten unterschiedliche Funktionen, daher ist es für Unternehmen wichtig, ein digitales Zwillingssystem zu wählen, das mit den Variablen übereinstimmt, die sie testen möchten. Drei häufige Faktoren, die zu berücksichtigen sind, sind Granularität, Integrationen und Umfang.
Granularität bezieht sich auf den Detaillierungsgrad und die Anpassungsmöglichkeiten, die ein digitaler Zwilling bieten kann. Dies kann Parameter umfassen, die so spezifisch sind wie Gangbreite und Regalhöhe, oder so groß wie die allgemeine Lagerkonfiguration und -abmessungen. Einige können individuelle Änderungen bei der Mitarbeiterzahl oder bei der Anzahl autonomer mobiler Roboter (AMRs) auf der Lagerfläche testen, sowie Spitzenleistungszeiten und Verbesserungen, die durch die Einführung zusätzlicher Formen der Lagertechnologie erzielt werden könnten.
Die Simulation diverser „Was-wäre-wenn“-Szenarien in der sicheren Umgebung eines digitalen Zwillings trägt dazu bei, neue Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung zu identifizieren. Doch dies ist nur ein Teil des Gesamtbildes. Durch die Integration mit anderen Logistiksystemen, wie einem Enterprise Resource Planning (ERP) oder Warehouse Management System (WMS), ist es möglich, Abläufe genauer zu simulieren — und somit präzisere Informationen zu generieren, die bessere Entscheidungen ermöglichen.
Während Simulationen typischerweise zur Steigerung der Lagereffizienz genutzt werden, erlauben bestimmte Systeme mit digitalen Zwillingen auch umfassendere Modellierungen für die Netzwerkoptimierung. Diese ermöglichen es Unternehmen, ihre Distributionszentren und Transportlösungen zu untersuchen, um die Kapazität zu verbessern, effektiv zu skalieren oder sogar strategische Partnerschaften mit Third-Party-Logistics-Anbietern (3PL / externe Logistikdienstleister) anzustreben.
Branchenanwendungen von Lager- und Logistiksimulatoren
Das Entwerfen und Testen virtueller Lager vor der physischen Implementierung bietet Effizienzvorteile für Unternehmen entlang der gesamten Lieferkette, unabhängig von ihrer Rolle. Beispielsweise können 3PLs digitale Zwillinge nutzen, um den erforderlichen Durchsatz und die benötigten Ressourcen für verschiedene Produkttypen zu berechnen und zu bestimmen, ob eine Multi-Tenant-Belegung (Mandantenfähigkeit) mit den bestehenden Distributionszentren eines Ausschreibers machbar ist. Dies ermöglicht es 3PLs, die Rentabilität und Passgenauigkeit potenzieller Partnerschaften zu prüfen, bevor die Verhandlungen abgeschlossen sind.
Der Einzelhandel ist eine weitere Branche, die vom Einsatz der Lagersimulation profitieren kann. Viele Einzelhandelsmärkte sind äußerst wettbewerbsintensiv und arbeiten mit geringen Gewinnmargen, was digitale Zwillinge zu einer effizienten Möglichkeit macht, verschiedene Szenarien zu demonstrieren, um festzustellen, welche zusätzlichen Ressourcen oder Strategien zur Optimierung von Arbeitsabläufen, Prozessen und Raumgestaltung erforderlich sind. Hersteller können Lagersimulatoren nutzen, um die optimale Produktionsleistung im Vergleich zum Lagerdurchsatz zu modellieren, um eine Überproduktion von Beständen zu vermeiden — oder um ein besseres Verständnis dafür zu erlangen, welche Ressourcen erforderlich sind, um die Fähigkeit eines Unternehmens, effizient zu arbeiten, zu stärken.
Unabhängig von der spezifischen Branchenanwendung hat sich gezeigt, dass der Einsatz von Lagersimulationssoftware langfristig die Betriebskosten senkt, die Produktivität verbessert und die Investitionsausgaben reduziert. Durch das Identifizieren und Beseitigen von Engpässen ermöglichen digitale Zwillinge Unternehmen, eine effizientere und effektivere Lieferkette für die Zukunft zu schaffen.
Erfahren Sie mehr über die Technologie des digitalen Zwillings in unserem vollständigen Artikel.
Quellen:
[1]https://www.mckinsey.com/business-functions/operations/our-insights/improving-warehouse-operations-digitally
[2]https://www.gartner.com/smarterwithgartner/prepare-for-the-impact-of-digital-twins/