Die globale Pharmaindustrie ist bekannt für ihre Fähigkeit, sich immer wieder neu zu erfinden. Die Branche ist bekannt für ihre Innovationen in Form von Blockbuster-Medikamenten, Durchbrüchen in der Biotechnologie und ausgeklügelten, verbraucherorientierten Geschäftsmodellen. Dennoch ist die Pharmaindustrie nicht frei von Herausforderungen.
Die Branche, die durch die Globalisierung einen bemerkenswerten Aufschwung erlebte, erfährt derzeit die Schattenseiten dieser Entwicklung. Der demografische Wandel und die Nachfrage nach preiswerteren, aber dennoch personalisierten Medikamenten sind Beispiele für einige der gewaltigen Probleme, die die Pharmaunternehmen dazu zwingen, die Art und Weise, wie sie Medikamente entwerfen, entwickeln und herstellen, zu überdenken. In diesem Zusammenhang sehen wir, dass es 6 Megatrends geben wird, die die Philosophie der Pharmaproduktion in Zukunft beeinflussen werden.
Dazu gehören:
- Verlagerung von der Chargen- zur kontinuierlichen Herstellung
- Die Rolle der CMO (Contract Manufacturing Organization)
- Modularisierung
- Nachfrage nach Generika und Biosimilars
- Der Aufstieg der Präzisionsmedizin
- Pharma 4.0 - das digitale Pharmaunternehmen
Ich möchte eine Vorwarnung zum Thema Pharma 4.0 geben - ein Trend, der als Grundlage für die erfolgreiche Umsetzung vieler anderer oben aufgeführter Megatrends dienen wird.
Pharma 4.0 und seine Auswirkungen
Die Pharma 4.0-Vision ist ein Ansatz, der versucht, die Ideale des Industrie 4.0-Ansatzes (von Smart Factories) in eine Form zu bringen, die am besten zur Pharmaproduktionsumgebung passt. Dazu gehören neue Initiativen in den Bereichen Produktdesign, Optimierung der Produktionsprozesse (einschließlich primärer und sekundärer Prozesse), Lieferkettenmanagement und datengesteuerte Entscheidungsfindung. Zu den wichtigsten Merkmalen dieser Vision gehören die Nutzung der Digitalisierung als Mittel zur Vereinfachung der komplexen Lieferkette, die Verwirklichung einer papierlosen Produktion, die Herstellung kostengünstiger Produkte bei optimalen Betriebskosten, die Verkürzung der Innovationszyklen für neue Produkte, die Verbesserung der Produktqualität und die effizientere Erfüllung der regulatorischen Anforderungen.
Die Ziele von Pharma 4.0 sind sehr hoch gesteckt, und erwartungsgemäß gibt es in der Branche eine große Zurückhaltung. Dies erfordert von den Anbietern (von Industrie 4.0-Lösungen) die Formulierung von Lösungen und deren Vermittlung, die den Bedürfnissen der Pharmahersteller am besten entsprechen. Eine Kernanwendung, die in der Mitte dieses Ansatzes stehen wird, ist das Manufacturing Execution System (MES). Eine effektive MES-Strategie ist eine Grundvoraussetzung für die Realisierung von Pharma 4.0, da sie als Motor fungiert, der unterschiedliche Produktionsfunktionen miteinander verbindet und unschätzbare Prozess- und Geschäftsinformationen bereitstellt, auf die in Echtzeit zugegriffen werden kann.
Nachfolgend sind einige der wichtigsten Punkte aufgeführt, die die Entwicklung der Pharmaindustrie in Zukunft bestimmen werden:
- Der demografische Wandel und die Zunahme chronischer Krankheiten werden die Pharmahersteller dazu zwingen, kosteneffiziente Medikamente mit kurzen Vorlaufzeiten zu liefern.
- Die medizinische Diagnose und Behandlung wandelt sich allmählich von der "Einheitsgröße" zur Präzisionsmedizin, die die Genverläufe der Patienten verfolgt.
- Es wird erwartet, dass MES eine zentrale Rolle bei der Erleichterung des Datentransfers in der gesamten Wertschöpfungskette, der Reduzierung von Produktfehlern und der Verbesserung der Produktqualitätspielen werden.
- Mit dem Aufkommen von Pharma 4.0 wird MES zum Dreh- und Angelpunkt eines integrierten Unternehmens-Ökosystems, das den Shop Floor mit dem Top Floor verbindet.
Der Weg zur Verwirklichung der Vision von Pharma 4.0 ist mit vielen Herausforderungen gespickt. Fragen zum Return-on-Investment (RoI) und die konservative Natur der Pharmahersteller sind sicherlich ein großes Hindernis, das den Fortschritt bremst. Der Schritt zum digitalen Pharmaunternehmen ist jedoch unvermeidlich. Während sich der Rest der Fertigungsindustrie vorwärts bewegt, ist es höchst unwahrscheinlich, dass die Pharmaindustrie auf dem Rücksitz bleibt. Sie kann im Gegenteil zu einem Vorreiter bei der Verwirklichung der digitalen Produktionsmöglichkeiten werden.