Im kommenden Jahrzehnt werden wir im Gesundheitswesen Smartphones als Zentrum eines „Body Area Network“ erleben, das Daten, Analysen und Echtzeit-Feedback für Patienten und Pflegekräfte integriert. Eine weitere Innovation werden Sensoren sein, die in medizinische Produkte und Prozesse integriert sind, Patienten und medizinische Fachkreise (HCP) miteinander verbinden und Erkenntnisse für die Produktentwicklung und das Marketing liefern.
Technologiebezogene Trends
Basierend auf unseren Studien haben wir fünf technologiebezogene Trends identifiziert, die bis 2025 zu erheblichen Umwälzungen in der Pharma- und Biotech-Industrie führen werden:
- Neue Technologien erleichtern ergebnisbasierte Versorgung
Versicherer und Gesundheitsdienstleister nutzen Technologie und kontinuierliche Patientenbetreuung außerhalb der Klinikbesuche – nicht nur Medikamente allein –, um die Gesundheitsergebnisse zu verbessern und einen höheren Nutzen im Gesundheitswesen zu erzielen. - Patienten engagieren sich stärker für ihre Gesundheit
Patienten nutzen zunehmend digitale Kanäle, um sich für ihre Gesundheit zu engagieren, und sie sind auch versierter in Bezug auf Produkte und Dienstleistungen. - Unkonventionelle Akteure dringen in die Gesundheitstechnologie vor
Neue Akteure werden als Vermittler auftreten, Daten aggregieren und Plattformen aufbauen, die für das Geschäft eines Pharmaunternehmens unverzichtbar sind. - Mehr Transparenz bei der Produktleistung
Daten zur Produktleistung werden zunehmend außerhalb von Pharmaunternehmen generiert und befinden sich oft im Besitz von Verbrauchern. - Neue Generation der technologischen Unterstützung für Kerngeschäftsprozesse
Fortschrittliche Analysen, Sensoren und die Automatisierung komplexer Entscheidungen ermöglichen einen Quantensprung bei Effizienz, Geschwindigkeit, Qualität und Reaktionsfähigkeit.
Zusammenfassend: Die Einbindung von Patienten ist ein zentraler Bestandteil von Geschäftsmodellen. Wettbewerber und unkonventionelle Marktteilnehmer sichern sich Kontrollpunkte, und die Erwartungen an Effizienz und Agilität werden drastisch steigen.
Geschäftsmöglichkeiten
Auf Grundlage dieser technologiebezogenen Trends sehen wir enorme Geschäftsmöglichkeiten innerhalb der Pharma- und Biotech-Branche, um durch Digitalisierung Wertschöpfung zu generieren:
- Sensoren und digitale Services für maßgeschneiderte Versorgung rund um die Uhr
Die Entwicklung digitaler Services, Apps und Plattformen, die über die reine Medikamentenverabreichung hinausgehende Behandlungen als Teil eines umfassenden Lösungsportfolios für verschiedene Therapiebereiche ermöglichen. - Omnichannel-Kommunikation zwischen medizinischen Fachkreisen und Patienten im Rahmen ihrer Entscheidungsprozesse
Förderung des Dialogs zwischen Patienten, medizinischen Fachkreisen und Pflegekräften, um Beziehungen aufzubauen, Unterstützung zu bieten und Erkenntnisse zu gewinnen. - Erweiterte Analysen zur Gewinnung von Real-World-Erkenntnissen und zum Nachweis des Nutzens
Aufbau von Analyse- und Datenzugriffsfunktionen, um aussagekräftige Erkenntnisse über unerfüllte Bedürfnisse, Sicherheit und Wirksamkeit sowie personalisierte Therapien zu gewinnen. - Automatisierung von Prozessen zur Verbesserung von Kosten, Reaktionsfähigkeit und Agilität
Schnellere und effizientere Markteinführung sicherer Medikamente.
Beispiele für digitale Pharma-Apps
Individuelle Versorgung rund um die Uhr
Bis 2025 werden Medikamente ein Element einer Therapie sein, die auf der Grundlage vieler Datenquellen individuell angepasst wird. Wie wird das funktionieren? Körpernahe Netzwerke mit Sensoren überwachen und übertragen physiologische Variablen in Echtzeit an eine Cloud. Sinkt beispielsweise der Blutzuckerspiegel, wird ein Sicherheitssignal an das Pharmaunternehmen ausgelöst und in der elektronischen Patientenakte (EHR) des Patienten vermerkt. Das Sicherheitssignal wird durch Cloud-Analyse mit anderen Wearables und EHR-Daten integriert. Eine proaktive Warnung wird an den Arzt und den Patienten gesendet, um eine Dosisanpassung zu veranlassen.
Automatisierte Prozesse
Wir gehen auch davon aus, dass bis 2025 Echtzeit-Automatisierung eingesetzt wird, um die Effizienz zu steigern und Automatisierung prozessübergreifend einzuführen. Supply Chains werden hochgradig automatisiert sein mit RFID-basierter Nachverfolgung relevanter Inputs und Lieferanten. Dies ermöglicht Ressourcenplanung, -verfolgung und Netzwerkoptimierung in Echtzeit in Fertigung und Vertrieb. Geschäftsunterstützende Funktionen setzen auf automatisierte digitale Workflows und bessere Entscheidungsunterstützungstools. Viele interne Geschäftsanwendungen werden durch cloudbasierte Dienste ersetzt. In klinischen Studien werden beispielsweise prädiktive Analysen häufig eingesetzt, um die Auswahl von Studienzentren, Prüfärzten und Patienten zu optimieren. Rekrutierung und Dossiereinreichung werden vollständig digital und cloudbasiert.
Digitale Transformation
Die Digitalisierung verändert nicht nur die Patientenversorgung und bestehende Geschäftsmodelle, sie wird auch die Abläufe in der Pharmaindustrie und die Supply Chains revolutionieren. Die wichtigsten Technologien, die wir identifiziert haben, sind das Internet der Dinge (IoT) und Industrie 4.0. Und Innovationen haben bereits begonnen, die gesamte pharmazeutische Wertschöpfungskette zu beeinflussen, von Forschung und Entwicklung über regulatorische Angelegenheiten und Sicherheit bis hin zu Herstellung, Marktzugang und Vermarktung. Pharma wird digitalisiert – und wir alle sind Teil davon!