Wir

Gesellschaft besser machen: Die Körber-Stiftung wird 60

Der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft 2019 ging an den Informatiker Bernhard Schölkopf. Die Auszeichnung ist ein Leuchtturmprojekt der Körber-Stiftung, die sich für Spitzenforschung und gesellschaftlichen Fortschritt einsetzt.

Grenzen überwinden, Verständnis füreinander entwickeln, Dialoge anregen – das war die Motivation des Unternehmers und Erfinders Kurt A. Körber. Durch die Gründung der Körber-Stiftung im Jahr 1959 übertrug er seinen unternehmerischen Gestaltungswillen auf die Gesellschaft. In diesem Jahr feiert die Körber-Stiftung ihr 60-jähriges Jubiläum – und blickt auf zahlreiche erfolgreiche Initiativen und Erfolge zurück. Alle ausgerichtet am Ziel des Gründers: die Gesellschaft besser zu machen.

Eines ihrer zentralen Aufgabengebiete ist die Förderung der Forschung – mit dem Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft als Leuchtturmprojekt. In diesem Jahr wurde der deutsche Informatiker, Mathematiker und Physiker Bernhard Schölkopf zum Preisträger gekürt, ein Pionier auf dem Gebiet der Künstlichen Intelligenz.

Schölkopf und sein Team erforschen Algorithmen, mit denen Computerprogramme flexibel auf Situationen reagieren können, etwa für selbstfahrende Autos. „Seine Forschungen zum maschinellen Lernen sind bahnbrechend und haben erheblichen Anteil an den technologischen Veränderungen, die wir heute als eine neue industrielle Revolution bezeichnen“, erklärt Dr. Lothar Dittmer, Vorsitzender des Vorstands der Körber-Stiftung.

Der Körber-Preis für die Europäische Wissenschaft geht an herausragende in Europa tätige Wissenschaftler, deren Forschungsarbeiten sich durch ein hohes Anwendungspotenzial auszeichnen. Um die Bedeutung des Engagements zu unterstreichen, hat die Stiftung seit diesem Jahr das Preisgeld von 750.000 Euro auf eine Million Euro angehoben – was als Wertschätzung für die hochkarätigen Forscher angesehen werden kann.

Dr. Lothar Dittmer, Vorsitzender des Vorstands der Körber-Stiftung

lSchölkopfs Forschungen zum maschinellen Lernen sind bahnbrechend und haben erheblichen Anteil an den technologischen Veränderungen, die wir heute als eine neue industrielle Revolution bezeichnen.r

Dr. Lothar Dittmer, Vorsitzender des Vorstands der Körber-Stiftung

Demokratie braucht Wissenschaft

Als Mensch wusste Kurt A. Körber um die Bedeutung der Vergangenheit. Als Unternehmer war für ihn der Blick nach vorne entscheidend. Die Wissenschaft begriff er hierfür als Schlüssel, Innovationen waren für ihn ebenso Motor für Wohlstand wie Voraussetzung für das Gelingen von Demokratie. Zu seinen Lebzeiten wurde der Preis etwa für die Erzeugung von Ultratiefentemperaturen oder die Vorhersage von Klimaveränderungen verliehen. Im vergangenen Jahr ging die Auszeichnung an Svante Pääbo, einen der Begründer der Paläogenetik.

„Das zeigt unseren Anspruch: Die Wissenschaftler, die bei uns ausgezeichnet werden, müssen das Potenzial haben, eines Tages auch den Nobelpreis zu gewinnen“, betont Matthias Mayer, Leiter des Bereichs Wissenschaft der Körber-Stiftung. Sechs der Körber-Preisträger ist das bereits gelungen. Für Mayer setzen der Preis und die erhöhte Dotierung zudem ein wichtiges Zeichen gegen wissenschaftsfeindliche Strömungen. „Mit Sorge beobachten wir die Tendenz, wissenschaftliche Erkenntnisse und darauf basierendes Wissen nur als eine Meinung unter vielen zu betrachten“, sagt er. „Wenn aber die Bedeutung von Wissenschaft für unser Leben in Gesellschaft und Politik nicht verankert bleibt, ist das Gift für eine Demokratie“.

Nicht zuletzt ist der Preis auch ein Bekenntnis zum Wissenschaftsstandort Europa - denn mit der Entgegennahme der Auszeichnung verpflichten sich die Geehrten, weiter in Europa zu forschen. Das ist umso relevanter in einer Zeit, in der Wissenschaft sich offensiv darum kümmern muss, die gesellschaftliche Relevanz ihrer Ergebnisse deutlich zu machen. Wie Dittmer sagt: „Dazu ist sie mit ethischen Fragen und Entscheidungen verbunden und führt am Ende dazu, dass sich unser aller Leben ändert“.

Matthias Mayer, Leiter des Bereichs Wissenschaft der Körber-Stiftung

lDie Wissenschaftler, die bei uns ausgezeichnet werden, müssen das Potenzial haben, eines Tages auch den Nobelpreis zu gewinnen.r

Matthias Mayer, Leiter des Bereichs Wissenschaft der Körber-Stiftung

Stiftungsgründer Kurt A. Körber im Labor (links): Wissenschaft und Innovation waren für den Unternehmer ebenso Motor für Wohlstand wie auch Voraussetzung für das Gelingen von Demokratie.

Initiativen für mehr Zusammenhalt 

Doch das Engagement der Stiftung geht weit über die Wissenschaft hinaus. „Je mehr Körbers es gibt, um so besser für die Gesellschaft“, sagte Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt einmal über seinen Freund Kurt A. Körber, für den der Zusammenhalt der Bürgergesellschaft zentral war. Schmidt sprach von der menschlichen Seite seines Wegbegleiters, diesem „kecken, mundschnellen Berliner“, der nach dem Krieg aus Dresden nach Hamburg kam, wo er Unglaubliches und Vorbildliches geleistet habe. Körber wollte mehr sein als Innovator und Unternehmer, er wollte gestalten. „Er war überzeugt davon, dass eine Gesellschaft zerfällt, wenn sie sich nur auf das Geldverdienen beschränkt“, sagt Dr. Lothar Dittmer.

lKurt A. Körber war überzeugt davon, dass eine Gesellschaft zerfällt, wenn sie sich nur auf das Geldverdienen beschränkt.r

Dr. Lothar Dittmer, Vorsitzender des Vorstands der Körber-Stiftung

Körbers Idee, sich mit Projekten, Netzwerken und Kooperationen den gesellschaftlichen Herausforderungen der Zeit zu stellen, lebt weiter. Zahlreiche Initiativen der Stiftung zeugen von ihrer Wirkkraft: der Bergedorfer Gesprächskreis etwa, geboren in der Zeit des Kalten Krieges und einer der ersten Runden Tische, der vertrauliche Gespräche zwischen außenpolitischen Entscheidungsträgern ermöglichte. Auch heute begegnen sich hier Politiker aus der ganzen Welt, um in kritisch-konstruktiven Gesprächen über die Perspektiven deutscher und europäischer Außenpolitik zu sprechen. Der Gesprächskreis gehört zu den ältesten Projekten der Stiftung.

Ein sehr junges Projekt ist hingegen „Hamburg besser machen“:  Welche Wünsche, Pläne, Ideen haben die Bürgerinnen und Bürger für ihre Stadt? Was muss sich ändern? Auch hier werden Debatten angeregt, Lösungen erprobt, Menschen fürs Mitmachen gewonnen.

In Kooperation mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ lud die Stiftung Bürgerinnen und Bürger jüngst zu Kneipengesprächen ein. Unterstützt von einem Moderator diskutierten sie darüber, was anders werden soll. Die Ergebnisse wurden protokolliert, gesammelt und dem Ersten Bürgermeister der Stadt übergeben.

Kreativagentur und Versuchslabor inmitten der Gesellschaft

Das Mittel der Wahl für alle Formate ist stets der Dialog – ob für kleine oder große Fragen in Kultur, Gesellschaft oder Politik. Das Berliner Forum Außenpolitik etwa hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2011 zu einer der wichtigsten Konferenzen über außen- und sicherheitspolitische Fragen in Berlin entwickelt.

lWenn die Bedeutung von Wissenschaft für unser Leben in Gesellschaft und Politik nicht verankert bleibt, ist das Gift für eine Demokratie.r

Matthias Mayer, Leiter des Bereichs Wissenschaft der Körber-Stiftung

„Im Grunde arbeiten wir wie eine Kreativagentur“, sagt Dittmer. „Wir setzen uns mit großen Themen auseinander und versuchen, Defizite in der Gesellschaft zu identifizieren – durch Studien, Umfragen oder in Gesprächen mit unseren Zielgruppen“. Die rund einhundert Mitarbeiter an den Standorten Hamburg und Berlin betreuen rund vierzig Projekte.. Drei Themen stehen derzeit im Fokus der Stiftungsarbeit:  »Neues Leben im Exil«, »Technik braucht Gesellschaft« und »Der Wert Europas«.

Letzten Endes, sagt Dittmer, sei die Stiftung ein Versuchslabor, das inmitten der Gesellschaft experimentiert. Ziel dieser Versuche bleibt, was Kurt A. Körber Zeit seines Lebens immer wollte: einen Ort, der es ermöglicht, miteinander zu reden - nicht übereinander. Mit einem gemeinsamen Ziel: die Gesellschaft besser zu machen.

www.koerber-stiftung.de

nach oben
nach oben