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Jahresbericht 2019

Mit Drohnen Lagerbestände optimal und genau erfassen

Akkurate Lagerbestände sind eine Grundvoraussetzung für eine optimale Lagerabwicklung. Um Bestände effizient zu erfassen, arbeitet das Körber-Geschäftsfeld Supply Chain mit einem Start-up an einer Lösung mit Drohnen.

Manchmal sieht Fortschritt aus wie ein großes Insekt: mehrere feingliedrige Beine, dünne Flügel und zwei kreisrunde Kameras, die an Facettenaugen erinnern. Mit diesen leuchtet eine circa ein Kilo schwere Drohne in sechs Metern Höhe die Fächer eines Hochregallagers ab. Sie soll Antworten geben auf zwei zentrale Fragen aller Logistiker: Welche Artikel haben wir noch auf Lager? Und: Wo stehen sie?

„Für unsere Kunden ist Bestandssicherheit ein großes Thema in der Lagerverwaltung“, sagt Dr. Kerstin Höfle, Vice President Portfolio & Innovation Management im Körber-Geschäftsfeld Supply Chain. Kurze Lieferzeiten bei hoher Termintreue und Lieferqualität sowie strikte Service- und Kostenorientierung sind nur einige der Herausforderungen. Auch mangelt es oft an den nötigen Ressourcen, um sämtliche Warenbewegungen im Blick zu behalten.

lWir wollen am Puls der Zeit sein, daher ist der enge Austausch mit der Wissen­schaft für uns selbstverständlich und direkt im Interesse unserer Kunden.r

Dr. Kerstin Höfle, Vice President Portfolio & Innovation Management bei Körber Supply Chain Automation

Drohnen erfassen sogar einzelne T-Shirts in Kartons

Doch den Logistikern schwebt eine ebenso clevere wie praktikable Lösung vor: Drohnen. Experten des Geschäftsfelds Supply Chain beschäftigen sich intensiv mit der Lösung aus der Luft. Unter anderem hatte sich ein französischer Unterwäschehersteller an Körber gewandt.

Der Kunde wollte eine Drohne, die einzelne Kleidungsstücke erfasst – selbst wenn diese noch in Kartons verpackt sind. Die Experten von Körber Supply Chain taten sich für ihren Lösungsansatz mit dem jungen Unternehmen Doks zusammen. Das Start-up hat sich spezialisiert auf die Digitalisierung von Bestandserfassungs- und Inventurprozessen, das Stammdatenmanagement sowie den Transport über kurze Distanzen in der Intralogistik. Die Entwickler bieten unter anderem die Drohnen-Lösung Inventairy an und damit den perfekten Baustein für die Körber-Lösung. „Bisher auf dem Markt verfügbare Drohnen scannen lediglich Etiketten einzelner Paletten“, erläutert Doks-CEO Benjamin Federmann. Inventairy aber kann auch sogenannte RFID-Tags auslesen, die mithilfe von elektromagnetischen Wellen identifiziert werden. Der Clou: Damit lassen sich einzelne Produkte über die ganze Lieferkette hinweg verfolgen.

Die Zusammenarbeit mit Doks und dem Modeunternehmen zeigt beispielhaft, wie Körber Innovationen angeht: Doks wurde 2017 im Umfeld des Fraunhofer Instituts für Materialfluss und Logistik (IML) gegründet. Körbers Technologie-Expertin Höfle wiederum tauscht sich regelmäßig mit dem IML aus: „Wir wollen am Puls der Zeit sein, daher ist der enge Austausch mit der Wissenschaft für uns selbstverständlich und direkt im Interesse unserer Kunden. Augen und Ohren offen zu halten und dabei in Alternativen zu denken, ist ein wichtiger Teil meines Berufs und macht mir persönlich wahnsinnig viel Spaß“, sagt Höfle.

Geht die Akkuladung zur Neige, landet die Drohne zum Aufladen auf einer mobilen Ladestation, die autonom durch das Warenlager fährt.
Mit einem Tablet kann die Bestandserfassung geplant und gestartet werden.

werden Drohnen fliegen können,

die durch ein Kabel mit der Aufladestation verbunden sind. Ein entsprechendes Modell ist bereits in Erprobung.

Schnell ausprobieren, stetig verbessern

Körber wird im nächsten Schritt die Inventairy-Lösung auf die Bedürfnisse im konkreten Kundenumfeld anpassen. „Es geht vor allem darum, dass alles, was die Drohnen erfassen, automatisch mit dem Warehouse-Management-System (WMS) abgeglichen werden kann“, erklärt Höfle. „Solche Schnittstellen aufzubauen ist genau unsere Kompetenz.“

Als die erste Inventairy-Drohne zum Jungfernflug in dem Lager des Kunden startete, war die Spannung groß: Einen Tag lang schwebte sie zwischen Regalen, fotografierte mit einer Rundumkamera Paletten oder Fächer und erfasste die RFID-Tags von einzelnen Produkten. Dabei traten neue Herausforderungen auf. „Wenn 150 Unterhemden übereinander in einem Karton lagen, überlappten sich zu Beginn die Signale“, erinnert sich Doks-Chef Federmann. Dennoch erkannten die Drohnen 96 Prozent aller Tags – ein beeindruckender Wert.

„Dass nach dem Echtzeittest noch ein wenig justiert wird, gehört bei solch komplexen Anforderungen dazu“, sagt Höfle. Es ist sogar elementarer Teil des Entwicklungsprozesses. Denn der Einsatz von Drohnen in Lagern steht für ein grundsätzlich neues Denken beim Umsetzen innovativer Ideen. „Früher hätte man erst mal den Markt evaluiert und Technologien miteinander verglichen. Bis zur ersten Testphase wäre locker ein Jahr vergangen“, weiß Höfle. „Heute arbeiten wir pragmatisch: Wir probieren aus, so schnell wie möglich. Und dann verbessern wir stetig weiter. Das begeistert unsere Kunden!“

Schwebender Helfer: Die Drohnen können Codes seitlich und von oben erfassen.

Den verfügbaren Lagerplatz perfekt nutzen

Die neue Technologie ermöglicht enorme Effizienz-Gewinne. In einem Lager mit 50.000 Stellplätzen sind im Schnitt drei Mitarbeiter durchgehend damit beschäftigt, Waren zu suchen. „Drohnen könnten die Kosten dieser manuellen Erfassung um bis zu 70 Prozent senken“, sagt Höfle. Was nicht heißt, dass die Lagerarbeiter überflüssig werden – sie übernehmen Aufgaben, die sinnvoller und produktiver sind. Die Effizienz der Drohnen lässt sich noch steigern, dank einer Erweiterung, die derzeit entwickelt wird: Künftig sind sie über ein Kabel mit einer automatisch mitfahrenden Ladestation verbunden. Das erhöht die Einsatzdauer der Lösung um ein Vielfaches.

Innovationsexpertin Höfle sieht in den sirrenden Helferlein, aber vor allem auch in den zugrunde liegenden Technologien wie der RFID-Erfassung großes Potenzial: „Ich freue mich, die Möglichkeiten mit unseren Kunden oder neuen Interessenten weiter auszuloten.“

Dr. Kerstin Höfle - Vice President Portfolio & Innovation Management im Körber-Geschäftsfeld Supply Chain

Dr. Kerstin Höfle
Vice President Portfolio & Innovation Management im Körber-Geschäftsfeld Supply Chain


kerstin.hoefle@koerber-supplychain.com

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