Tabak

Wir können auch Strohhalme

Schnell, zuverlässig, ressourcenschonend: Mit dem Hauni Straw Maker erschließt sich das Körber-Geschäftsfeld Tabak erfolgreich einen neuen Markt und produziert plastikfreie Trinkhalme. Ein Paradebeispiel für Unternehmertum und Innovation.

Oft ist es ein kleiner Gedankenblitz, aus dem etwas Großes wird. Wer genau die Idee hatte, die Einsatzfelder für die eigene Technologie neu zu denken, weiß Peter Golz zwar nicht mehr. Doch an die positive Stimmung, aus der heraus sie entstand, kann sich der Leiter des Innovationszentrums Strang bei Hauni, dem Führungsunternehmen des Körber-Geschäftsfelds Tabak, noch sehr gut erinnern: „Sobald die Idee auf dem Tisch war, kamen Vorschläge aus allen Ecken des Unternehmens. Ob Belegschaft oder Management – extrem viele Kollegen wollten und wollen etwas beitragen.“

Was war passiert? Nachdem mehrere Länder den Verkauf von Plastiktrinkhalmen verboten hatten, zog die Europäische Union nach: 2018 beschloss das EU-Parlament das entsprechende Gesetz, ab Juni 2020 greift es. Schnell forderte der Markt von der Industrie passende Antworten. Bei Hauni hatte man sie.

Unternehmertum bedeutet, immer wieder um die Ecke zu denken

Viele Mitarbeiter dachten sofort an eine KDF 5RT. Diese Maschine, die seit 2017 auf dem Markt ist, produziert Papphülsen für alternative Tabakprodukte. Die Maschine ist einzigartig, ihr Produkt exklusiv. „Diese Art der Pappröhrchen stellen nur wir her“, sagt Golz. Und vom Pappröhrchen war der Gedanke zu Trinkhalmen nicht mehr weit. Eine Maschine, die präzise Pappröhrchen herstellt, müsste doch auch Trinkhalme produzieren können, mit großer Wahrscheinlichkeit sogar besser als andere.

Das war der Moment, in dem es Klick machte: Innovation live, Unternehmergeist in der Praxis. Denn Unternehmertum bedeutet für Körber, Dinge immer wieder aus einer anderen Perspektive zu betrachten, um die Ecke zu denken, neue Wege zu gehen. So wie es Unternehmensgründer Kurt A. Körber einst formulierte: „Das Richtige als Erster zum richtigen Zeitpunkt tun.“

Die KDF 5RT wurde eigentlich gebaut, um Papierhülsen für alternative Tabakprodukte zu produzieren. Dafür wird das Papier eingeschossen und dann geschnitten. Mit demselben Verfahren lassen sich aber auch Trinkhalme fertigen.
Der Hauni Straw Maker kann deutlich schneller Trinkhalme produzieren als Maschinen, die das gängige Spiralwickelverfahren einsetzen.

Die Technologie der KDF 5RT war die richtige Basis, das Timing perfekt. „Die Maschine passt, sie bietet – mit etwas Ingenieurskunst kombiniert – die Lösung für die neue Herausforderung am Markt. Damit war der HSM geboren, der Hauni Straw Maker“, freut sich Golz. Die Anlage ist schnell, extrem schnell sogar: Produzieren vergleichbare Maschinen 50 bis 60 Meter Strohhalme pro Minute, schafft der HSM 300 Meter. Umgerechnet sind das 1.500 Halme pro Minute. Jedes Jahr werden weltweit 500 Milliarden Stück verbraucht – da hilft ordentlich Tempo in der Produktion.

lDie Maschine bietet die Lösung für die neue Herausforderung am Markt.r

Peter Golz, Head of Innovation Centre Rod, Hauni

Beim HSM werden die Trinkhalme nicht wie sonst üblich im dreilagigen Spiralwickelverfahren hergestellt. Das Papier wird stattdessen linear zweilagig perfekt geformt und ohne Überlappung zusammengefügt. Das geht schneller, der Ausstoß ist dementsprechend höher.

Neben ihrer Geschwindigkeit überzeugt die Maschine mit einem weiteren Pluspunkt: Nachhaltigkeit im doppelten Sinn. Sie spart Leim. Das ist gut für die Umwelt. Bei der Spiralwickeltechnik, die zurzeit am Markt am häufigsten verwendet wird, wird doppelt so viel des nicht kompostierbaren Klebstoffs verbraucht wie bei der Technologie von Hauni. Den Verbrauch zu reduzieren spart Kunden zugleich bares Geld, denn Leim für lebensmittelechte Anwendungen ist teuer.

pro Minute

produziert der Hauni Straw Maker.

Mehr Tempo, höchste Zuverlässigkeit plus Ressourcenschonung

Die KDF 5RT fit zu machen für die neue Aufgabe als Trinkhalmproduzent war für die erfahrenen Ingenieure eine neue und motivierende Herausforderung. Die Maße etwa waren leicht angepasst: Die meisten Kunden stellen Trinkhalme mit einem Durchmesser von fünf bis acht Millimetern her – kein großer Unterschied zum ursprünglichen Produkt. Vor allem aber wurde die Maschine schlanker: „Wir haben einiges vereinfacht“, erklärt Patrick Fricke, Head of Business Development bei Hauni. „Für Trinkhalme war unsere Maschine zu aufwendig ausgestattet, aber es war uns wichtig, gemeinsam mit Kunden zu erkunden, was für die hohen Ansprüche von lebensmittelechten Produkten die beste und gleichzeitig effizienteste Lösung ist.“

Denn für die Halme wird spezielles Papier benötigt: Es muss in Flüssigkeiten fest bleiben und den strengen Reglements der Lebensmittelindustrie entsprechen. „Diese Voraussetzungen erfüllen alle Papierlieferanten, mit denen wir schon lange zusammenarbeiten. Damit hatten wir hier keine zusätzliche Hürde“, sagt Fricke.

lWir haben in einer für uns neuen Branche Kunden dank unseres Know-hows bei Papier und Verleimung extrem schnell überzeugt.r

Patrick Fricke, Head of Business Development, Hauni

Mehr Tempo, höchste Zuverlässigkeit plus Ressourcenschonung – die Rückmeldungen von Kunden zum Hauni Straw Maker sind durchweg positiv. Und wirken zurück ins Unternehmen: Der Perspektivwechsel ist ein voller Erfolg. „Wir haben in einer für uns neuen Branche Kunden dank unseres Know-hows bei Papier und Verleimung extrem schnell überzeugt. Das macht uns stolz und schon wieder erfinderisch“, freut sich Fricke. Gemeinsam mit einem international tätigen Getränkeverpacker wird der Hauni Straw Maker weiterentwickelt. Künftig wird es beispielsweise möglich sein, die Halme mit Firmenlogos zu bedrucken.

nach oben
nach oben