Pharma

Auf dem Weg zu Pharma 4.0

Kleinere Losgrößen bei minimalen Lieferzeiten: Wie das Geschäftsfeld Pharma-Systeme die Produktion seiner Kunden flexibler macht.

Die Pharmabranche steckt im Umbruch. Digitale Durchdringung, immer individuellere Angebote und eine rasant steigende Bedeutung von Daten: Was im privaten Leben längst angekommen ist, verändert auch die Pharmaproduktion radikal. Die Potentiale sind enorm: Die produzierende Pharmaindustrie wird zum Wegbereiter einer personalisierten Gesundheitswirtschaft. Die Massenproduktion wird flexibilisiert.

„Die Ansprüche an moderne Verpackungssysteme steigen kontinuierlich“: Rüdiger Schlierenkämper, Chief Digital Officer des Geschäftsfeldes Pharma-Systeme
„Die Ansprüche an moderne Verpackungssysteme steigen kontinuierlich“: Rüdiger Schlierenkämper, Chief Digital Officer des Geschäftsfeldes Pharma-Systeme.

Digitalisierung nutzen

„Pharma 4.0“ ist das Schlagwort, das den digitalen Wandel der Branche zusammenfasst. Es steht für lernende Maschinen, eine vernetzte und flexiblere Produktion, das intelligente Managen von Daten und eine intuitivere Art, in der Mensch und Maschine miteinander interagieren. Und in vielen Bereichen ist Pharma 4.0 bereits Realität: Das Körber-Geschäftsfeld Pharma-Systeme macht in zahlreichen Projekten die Chancen der Digitalisierung für seine Kunden nutzbar. Für die Pharmaunternehmen stehen zwei große Themen im Fokus: immer kleinere Losgrößen durch personalisierte Medizin sowie die vernetzte Produktion.

Mit unserer Supply-on-Demand-Lösung reduzieren wir den Lieferketten-­Aufwand bei gleichbleibender Qualität firmen­übergreifend schon heute um gut 50 Prozent.

Hans-Peter Süßlack, Business Process Manager bei der Rondo AG

Dabei hat gerade der Megatrend hin zur personalisierten Medizin konkrete und auch weitreichende Folgen für die Verpackung: „Wir beobachten, dass die Ansprüche an moderne Verpackungssysteme kontinuierlich steigen. Durch eine größere Variantenvielfalt der Produkte erhöht sich die Komplexität der Produktion. Gleichzeitig rücken Sicherheit und Effizienz von Prozessen in den Vordergrund“, sagt Rüdiger Schlierenkämper, Chief Digital Officer des Geschäftsfeldes Pharma-Systeme. „Digitale Technologien helfen, den Anforderungen gerecht zu werden.“

Pharmaproduktion: Der Trend geht zu kleinen Losgrößen.
Pharmaproduktion: Der Trend geht zu kleinen Losgrößen.

Kleine Losgrößen bei geringen Lieferzeiten

Wie bei Rondo: Der Verpackungsspezialist aus der Schweiz bietet mit seiner „Supply on Demand“-Technologie Kunden die Möglichkeit, auch sehr kleine Losgrößen mit kurzen Bestellvorlaufzeiten von maximal fünf Tagen zu liefern. Diese Flexibilität wird unter anderem ermöglicht, indem Rondo direkte Verknüpfungen schafft: Das Unternehmen verbindet sein Enterprise-Resource-Planing (ERP)-System mit denen seiner Kunden und schließt auch den Digitaldrucker zum Bedrucken der Verpackungen direkt an.

„Diese Entwicklung ist eine Notwendigkeit, da sich der Markt in den vergangenen Jahren stark verändert hat“, sagt Hans-Peter Süßlack, Business Process Manager bei der Rondo AG. Früher wurde ein Medikament in zwei oder drei Grundformen hergestellt – heute ist der Markt durch die Individualisierung in der Medizin viel fragmentierter. Bestellte beispielsweise ein Kunde früher einfach 250.000 Medikamentenverpackungen, so ordert er heute zwar die gleiche Menge – allerdings verteilt auf zwanzig, dreißig oder mehr unterschiedliche Einzelaufträge, mit Losgrößen bis herunter auf zehn oder zwanzig Stück.

Aber nicht nur unterschiedliche Dosierungen und Mischungen der Medikamente verändern die Branche. Auch die heute oft höchst unterschiedlichen Gesetzesanforderungen in den von Kunden belieferten Ländern und schnellere Änderungen im Marketing erfordern vor allem eins: eine größere Differenzierung der zu bedruckenden Verpackungen. Die Vielfalt nimmt zu, denn immer mehr Sprach- und Länderversionen oder neue Anforderungen an die Serialisierung müssen berücksichtigt werden. 

Rondos „Supply on Demand“-Lösung, die neben der Integration des ERP-Systems vor allem die Arbeitsabläufe automatisiert, spart den Kunden hier bares Geld. „Mit dieser Lösung reduzieren wir den Lieferketten-Aufwand bei gleichbleibender Qualität firmenübergreifend schon heute um gut 50 Prozent“, sagt Süßlack. In Zukunft sei mit weiteren Effizienzgewinnen zu rechnen.

Die vernetzte industrielle Produktion

Die Steigerung der Effizienz steht auch im Mittelpunkt der zweiten großen Vision von Pharma 4.0: die vernetzte Produktion. Daran arbeitet das Unternehmen Werum IT Solutions. Seine Produktionssteuerungs-Software PAS-X MES (Manufacturing Execution System) schafft die Voraussetzungen für eine vollständig vernetzte industrielle Produktion mit einer Schnittstelle, die Maschinen schnell und unkompliziert in die Netzwerke von Pharmaunternehmen einpasst. „Dieser Integrationsprozess war lange sehr zeitaufwendig und unproduktiv“, sagt Klaus Sauermann, Senior Head of Business Development bei Werum. „Mit unserer Plug & Produce-Lösung ist das künftig sehr viel einfacher.“

Ähnlich einer USB-Schnittstelle ermöglicht die Lösung den schnellen Datenaustausch zwischen PAS-X und den Maschinen in den Fertigungshallen der Kunden – und funktioniert dabei wie ein Übersetzer. „Wir sorgen dafür, dass Software und Maschine die gleiche Sprache sprechen“, sagt Sauermann. Dabei erkennt PAS-X neue Maschinen im Netzwerk als relevant und übermittelt ihnen sämtliche für sie wichtigen Daten – Stückzahlen etwa oder Chargennummern.

Wir sorgen dafür, dass Software und Maschine die gleiche Sprache sprechen.

Klaus Sauermann, Senior Head of Business Development bei Werum

Experte für Plug & Produce-Lösungen: Klaus Sauermann, Senior Head of Business Development bei Werum.
Experte für Plug & Produce-Lösungen: Klaus Sauermann, Senior Head of Business Development bei Werum.

Plug & Produce in der Industrie 4.0

Die Arzneimittelhersteller profitieren vielfach: Die Konfiguration des Produktionsnetzwerks oder die Qualifizierung von Mitarbeitern werden einfacher, die Wahrscheinlichkeit von Setup-Fehlern sinkt, Projektlaufzeiten verringern sich. „Insgesamt reduziert sich der Aufwand für die Integration einer neuen Maschine um bis zu 75 Prozent“, so Sauermann.

Die Plug & Produce-Lösung ist offen und komplett anbieterunabhängig. Werum IT Solutions arbeitet mit Unternehmen und Organisationen wie der International Society for Pharmaceutical Engineering (ISPE) daran, sie als Industriestandard zu etablieren. Sauermann: „Plug & Produce ist enorm wichtig für die Industrie 4.0. Unsere Schnittstelle ist hier genau die richtige Lösung.“

Dr. Mario Holl - Digital Transformation Officer

Dr. Mario Holl
Körber Medipak Systems GmbH
Digital Transformation Officer

+49 8121 802 223
mario.hollmedipak-systems.com

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