Logistik

Im sanften Griff des Tigers

Das neue Palettiersystem „WhiteTiger“ des Automatisierungsspezialisten Langhammer erfüllt zentrale Kundenanforderungen. Es ist modular aufgebaut, schnell - und Dank dem Palettierer PA15 in der Lage, selbst empfindliche Produkte sanft zu befördern.
Enrico Pes hatte die Idee für den Projektnamen „White-Tiger“. „Der Weiße Tiger ist nicht alltäglich und unter den Landtieren einer der erfolgreichsten Jäger überhaupt.“

Die Szene hatte etwas Futuristisches. Wer durch die Messehallen der „Tissue World“ in Miami ging, konnte in den Gängen Menschen sehen, die sich in einer anderen Realität zu befinden schienen. Zielgerichtet tippten sie immer wieder mit ihren Fingern in die Luft – so als drückten sie unsichtbare Knöpfe. 

Genau das taten sie auch. Mittels einer Augmented-Reality-Brille (AR) konnten Besucher Maschinen bedienen, die nur digital vorhanden waren: virtuell verschiedenste Produkte greifen, auf individuellen Lagen zusammenstellen und diese weiter transportieren. Denn vor ihren Augen hatten sie die Palettierlösungskombination aus dem Knickarmroboter AR500 und dem Layer Handling System TheWave – beides Innovationen von Langhammer, dem Automatisierungsspezialisten aus dem Körber-Geschäftsfeld Logistik-Systeme.

Eine zukunftsweisende Präsentationsform für ein zukunftweisendes Produkt. „Mit dem Projekt WhiteTiger heben wir Palettiersysteme auf die nächste Stufe“, sagt Langhammer-Geschäftsführer Enrico Pes. Das Unternehmen entwickelte eine Palettier-Grundmaschine, den Palettierer PA15 sowie dazu passende „Zuführ“-Systeme, die verschiedenste Produkte schonend und vor allem hochflexibel auf den Palettenlagen zusammenstellen können. Kombiniert bieten sie Kunden damit eine ganze Reihe von Vorteilen.

lKundenanforderungen haben wir schon während der Entwicklung mit einbezogen und die wesentlichen Schritte mit Referenzkunden abgestimmt.r

Langhammer-Geschäftsführer Enrico Pes

Platzsparend, schoned und modular

Einer davon ist der WhiteTiger als „Floor Level Solution“, die keine Podeste braucht, da die Mitarbeiter vom Boden aus auf die Förderbänder zugreifen können. Solche Systeme existierten bereits zuvor, erreichten aber nicht dasselbe Tempo wie Systeme, bei denen die Paletten von oben gegriffen wurden. Der PA 15 kann statt der bisher üblichen sechs bis sieben Lagen bis zu zehn Lagen pro Minute bewegen. Ein anderer Vorteil: Das System besteht aus modularen Bauteilen, die nicht nur unterschiedlich große Paletten und Gebinde verarbeiten, sondern selbst beliebig in Länge oder Breite verändert werden können. Dies ist dank der Einsäulen-Konstruktion möglich: Wo sonst ein Gehäuse notwendig ist, regelt WhiteTiger dies auf einer schmalen Flächennutzung, dem sogenannten Footprint. „Damit passen wir auch in enge Lücken hinein“, sagt Pes.

Das herausragendste Merkmal aber ist, wie die Gebinde bewegt werden. Das System kann einzelne Produkte greifen und in beliebiger Anordnung wieder zusammensetzen. Das sorgt für Flexibilität beim „Setzbild“ – also der Anordnung der Produkte auf den Paletten. „Üblicherweise wurden bisher z. B. Küchenrollenpakete zu Produktreihen rangiert und dann zu einer Lage zusammengesetzt. Jetzt werden Produkte einzeln gegriffen, was zu einer höchstmöglichen Konfigurations-Flexibilität in der Palettenbildung führt“, sagt Pes. Und: Das System schiebt nicht, es fördert. Wie ein Tortenheber gleitet das Band unter die Gebinde, fährt sie dann wie ein Fahrstuhl langsam hoch, setzt sie an ihrem Bestimmungsort ab, wo sie sanft arretiert werden – und zieht sich ebenso sanft wieder zurück. Damit ist das System besonders geeignet für empfindliche Produkte, die beim Schieben beschädigt werden könnten, wie Mehltüten oder Papierrollen.

Trend zu weniger und leichteren Verpackungen

„Neben intuitiver Bedienung und Wartung werde dieser Aspekt immer wichtiger“, sagt Pes. Denn Kunden setzen zunehmend auf weniger und leichtere Verpackungen, nicht zuletzt aus ökologischen Gründen. „Das ist ein Trend, der global gerade erst richtig beginnt“, sagt Pes. „In Deutschland liegen wir mit produktschonendem Handling bereits weit vorn.“ Weltweit sehe es noch anders aus. „In den USA etwa wird Toilettenpapier zum Teil noch im Karton verkauft. Aber auch dort wird sich der Trend fortsetzen. Nicht zuletzt, weil deutsche Discounter dort jetzt Fuß fassen und das ökologische Bewusstsein bei Verbrauchern wächst.“ Denn es sinken nicht nur die Kosten für die Verpackungen, sondern auch die CO2-Emissionen, die bei deren Herstellung anfallen.

Anforderungen der Kunden waren für Langhammer früh entscheidende Treiber. „Diese haben wir schon während der Entwicklung mit einbezogen und wesentliche Schritte mit Referenzkunden abgestimmt“, sagt Pes. Produkttests wurden bereits seit 2018 durchgeführt.

Seit Juni 2019 sind die Grundmaschine PA15 und das erste System zur Lagenbildung zum Verkauf freigegeben. Potenzielle Kunden können die neue Grundmaschine erstmals bei der „Fachpack“ in Nürnberg erleben. 

lMit WhiteTiger heben wir Palettiersysteme auf die nächste Stufe.r

Langhammer-Geschäftsführer Enrico Pes

Digitale 3D-Modelle

Wie in Miami werden die Besucher auch auf der „FachPack“ weit mehr sehen können als die ausgestellte Maschine. „Mit der AR-Brille simulieren wir einen Gang durch eine Halle, wir können eine große Maschine durch eine kleine austauschen oder anders anordnen – so erleben Kunden live, wie sich das System in einer Produktionshalle einfügt.“
Noch sei die AR-Technik nur für solche Präsentationen gedacht, berichtet Pes. Aber schon jetzt werden „digitale Zwillinge“ von allen Produkten aus dem Programm entwickelt. An diesen 3D-Modellen sollen künftig beispielsweise Mitarbeiter geschult werden, noch bevor die Maschine gebaut ist. Auch eine Service-App, die auf AR basiert, wird bereits entwickelt. Pes ist sicher: „Mit WhiteTiger heben wir uns deutlich von den Wettbewerbern ab.“

www.langhammer.de 

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