Foto von Anneke Barsch, Product Owner bei Hauni, auf der Bühne beim Stage Gate Meeting

Digital

Eine Runde weiter

Ein „Betriebliches Vorschlagswesen“ haben ­andere – bei Körber setzen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre digitalen Innovations­ideen selbst in Projekte um und stellen sich damit ­Monat für Monat einer Jury.

"Fokussiert euch nicht so sehr auf eure Technologie. Denkt noch mehr daran, welches Problem der Kunde hat.“ „Nächstes Mal will ich größere Fortschritte beim Geschäftsmodell sehen.“ „Warum ist eure Lösung besser als das, was ich jetzt schon auf dem Markt bekomme?“ Es hat ein bisschen was von „Die Höhle der Löwen“, was hier alle vier Wochen in dem Kinosaal eines Berliner Start-up-Campus über die Bühne geht. Motivierte Vordenker präsentieren im Scheinwerferlicht ihre Ideen, die Jury stellt hartnäckig Fragen und fällt dann ein Urteil: Geht es weiter oder nicht?

Damit enden die Gemeinsamkeiten mit der Gründer-TV-Show aber schon. Bei Körbers Stage Gate Meetings ist der Ton sachlich, das Feedback qualifiziert, und im Publikum sitzt geballte Expertise: Per Livestream sind auch die anderen Standorte angeschlossen; wer Zeit hat, kann dabei sein. Manche Zuschauer im Netz oder im Saal haben an den Projekten mitgearbeitet, andere sind neugierig oder wollen als Fragesteller dazu beitragen, dass die Teams ihre Ideen zügig und kundenfokussiert weiterentwickeln – damit sie das nächste Stage Gate erreichen, wie die Meilensteine beim Innovationsprozess von Körber Digital heißen.

Porträtfoto von Kristin Hoffmann (Körber Digital) beim Stage Gate Meeting.
Fokus Kunde: Kristin Hoffmann von Körber Digital organisiert die Veranstaltungen mit.
Foto von Thomas Zedler, Vice President Operations Körber Digital, beim Stage Gate Meeting
„Die Kritik der Jury anzunehmen und daraus Aktionen im Team abzuleiten ist ein Lernprozess“, sagt Thomas Zedler, Vice President Operations Körber Digital

Zu den Ideen, die vorgetragen werden, gehören zum Beispiel Echtzeitsimulationen für die Lagerverwaltung. Oder Augmented-Reality-­Unterstützung­ für Techniker, die Fertigungsstraßen umrüsten. Oder Machine-Learning-Systeme für den reibungslosen Ersatzteilnachschub.

Die Veranstaltung, die Körber Digital jeden Monat zusammen mit den anderen Geschäftsfeldern des Konzerns auf die Bühne bringt, ist einer der vielen Schrittmacher des digitalen Innovationsprozesses, betont Thomas Zedler, Vice President Operations bei Körber Digital. „Wir arbeiten hier anders, als man das sonst von Industriekonzernen gewohnt ist. Wir begleiten Ideen, die aus der Praxis kommen, durch einen schnellen, genau getakteten Prozess, der in wenigen Monaten zu Prototypen führt.“

Gut ist, was Kunden hilft

Oder auch nicht: Jede Idee muss immer wieder vor der Jury bestehen, wenn sie eines der insgesamt sechs Stage Gates passieren soll. Und das ist nötig, um weitere Ressourcen zu bekommen, Budget, Personal, Zeit, technische Unterstützung durch das Team von Körber Digital oder Beratung von anderen Fachteams im Konzern.

lDie Kritik der Jury anzunehmen und daraus Aktionen im Team abzuleiten ist ein Lernprozess.r

Thomas Zedler, Vice President Operations Körber Digital

Von der Idee über ein konkretes Konzept zu einer ersten praxistauglichen Version für Testkunden, dem „Minimum Viable Product“ (MVP): Schon für diese ersten drei Stage Gates gilt es, harte Anforderungen zu erfüllen. „Das ist natürlich für viele Kolleginnen und Kollegen eine ungewohnte Situation“, sagt Zedler. Die Fragen und die Kritik der Jury anzunehmen und ­daraus die nächsten Aktionen im Team abzuleiten ist ein Lernprozess. Aber alle Teilnehmer sind sich einig: Genau diese Rückmeldung ist wichtig. Die Fragen aus verschiedenen Blickwinkeln helfen den Projektteams, sich immer wieder auf die Frage aller Fragen zu konzentrieren: Machen wir das hier zu 100 % im Interesse unserer Kunden?

„Dies permanent im Blick zu behalten ist nicht immer einfach“, weiß Zedler. Gerade wenn es um Trend-Technologien geht. „Da ist man schnell begeistert und sagt: Wir müssen jetzt auch mal was mit Augmented-Reality machen, was wäre denn eine Anwendung? Wir dagegen sagen: Unser Kunde hat ein Problem – wie können wir das lösen? Und an die Technologie denken wir noch gar nicht.“

So stehen manche Kunden vor der Herausforderung, immer kleinere Chargen produzieren zu müssen. Darum müssen sie ihre Fertigungsstraßen öfter umrüsten und verlieren jedes Mal viel wertvolle Zeit. „Also schauen wir uns gemeinsam an: Wo müsste eine Lösung ansetzen, welchen ganz konkreten Bedarf haben die Menschen an der Maschine, was nervt sie, wobei verlieren sie Zeit?“, sagt Zedler. „Und erst dann stellt sich vielleicht heraus: Man könnte dies sehr gut mit einer Augmented-Reality-Brille unterstützen. Aber es könnte eben auch einen ganz anderen Lösungsansatz geben.“

Foto von Daniel Westerlund, Senior Strategic UX Designer bei Körber Digital, bei einem Vortrag auf dem Stage Gate Meeting
Unterstützen und vernetzen: Daniel Westerlund ist Senior Strategic UX Designer bei Körber Digital. Er berät verschiedene Projektteams im digitalen Innovationsprozess.
Porträtfoto von Stefan Kusterer, Sina Mohr und Andreas Bahke, Mitglieder Stage Gate-Jury bei Körber
Prüfender Blick: Bei jedem Stage Gate Meeting stellt eine Jury kritische Nachfragen. Hier Dr. Stefan Kusterer (Körber Digital, rechts), Dr. Sina Mohr (Pharma-Systeme) und Dr. Andreas Bahke (Logistik-Systeme).

Von Anfang an eng mit den Kunden ­arbeiten und sich nicht zu früh auf eine Techno­lo­gie festlegen: Das sind zwei wichtige Grund­­­­la­gen des digitalen Innovationsprozesses. Die dritte: Transparenz. Die Stage Gate Meetings dienen auch dazu, die Projekte im Konzern bekannt zu machen. „So verhindern wir, dass Abtei­lun­gen oder Geschäftsfelder ohne Wissen der anderen an digitalen Initiativen mit ähnlichen Ge­schäfts­modellen arbeiten“, sagt Kristin Hoffmann, Business Development Coordinator bei Körber Digital. „Wir fragen bei jeder Idee: Macht im Konzern jemand etwas Vergleichbares? Können wir auf vorhandenes Wissen zurückgreifen, kön­nen wir Teams vernetzen?“ Ein Schlüssel dafür ist die enge Zusammenarbeit zwischen den Geschäfts­feldern. So werden die Präsentationen jeweils vor den Stage ­Gate Meetings einmal ge­mein­sam von den Digital-Verant­wort­li­chen begutachtet.

„Eine unserer wichtigsten Aufgaben ist es, den digitalen Innovationsprozess und die Rolle, die die Stage Gate Meetings dabei haben, im Konzern noch bekannter zu machen“, sagt Hoffmann. „Denn wir wollen nicht vorgeben, was jetzt wichtig ist. Das wissen unsere Kollegen in den Geschäftsfeldern am besten, sie sind im direkten Austausch mit unseren Kunden. Deswegen freuen wir uns über jedes Team, das eine Idee einbringt, weil wir so zu den besten Lösungen für unsere Kunden kommen.“ Auch da­rum sind alle Körber-Mit­arbeiterinnen und Mit­arbeiter eingeladen, die Pitches per Livestream zu verfolgen. „Dann erleben sie nämlich, dass bei uns eine Idee nicht in einer Box landet, und dann hört man nie wieder was davon. Bei uns kann jeder Ideen selber umsetzen.“

koerber.digital

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