Digital

„Bei unseren Kunden erste Wahl sein“

Dr. Stefan Kusterer, CTO und Co-Managing Director von Körber Digital, über digitale Innovation und das Potential der „Industrie 4.0“ für den Maschinenbau.
Dr. Stefan Kusterer hat Informatik und Mathematik an der Universität Passau studiert und dort auch promoviert. In verschiedenen Positionen bei SAP, zuletzt als „Chief Architect IoT“ sammelte er profunde Expertise rund um das „Internet of Things“. Ab Januar 2017 war er CTO der connyun GmbH und ist seit August 2018 CTO sowie Co-Managing Director von Körber Digital.

Herr Kusterer, als internationaler Technologie-Konzern setzt Körber auf permanente Innovation. Wie sehen Sie hierbei die Rolle von Körber Digital?

Die Stärke von Körber ist der Maschinen- und Anlagenbau. Die digitale und technologische Weiterentwicklung des Konzerns trägt dazu bei, unserem Anspruch auch in Zukunft gerecht zu werden: Marktführerschaft durch Technologieführerschaft. Die Strategie der digitalen Transformation setzen wir auf allen Ebenen, in allen Funktionen und an allen Standorten um – denn wir wollen den digitalen Anteil an unseren Angeboten signifikant erhöhen. Körber Digital versteht sich dabei als Nukleus für digitale Innovation und neue, digitale Geschäftsmodelle. Wir gestalten und forcieren die Transformation und sind zentrale Anlaufstelle für alle Themen rund um Digitalisierung im Konzern.

Digitalisierung betrifft alle Branchen und Lebenssituationen. Welche Themen stehen für Körber im Fokus?

Für den Maschinen- und Anlagenbau ist das zentrale Stichwort sicher „Industrie 4.0“, also die Verzahnung industrieller Produktion mit intelligenten digitalen Systemen. Industrie 4.0 aber lässt sich nur mit dem richtigen Vorgehen erfolgreich umsetzen: Zu Beginn steht das richtige Geschäftsmodell, gefolgt von einem strukturierten Innovationsprozess und einer Umsetzung, bei der wir auf eine extrem breite Expertise bauen können.

Ohne etwas von industrieller Fertigung zu verstehen, lassen sich keine Industrie-4.0-Lösungen entwickeln, die wirklich Wert stiften.

Dr. Stefan Kusterer, CTO bei Körber Digital

Moderne Lösungen und bewährte Methoden – die Liebe steckt im Detail.

Welches sind die entscheidenden Stellschrauben in diesem Innovationsprozess?

Im klassischen Maschinenbau sind die Entwicklungszyklen häufig recht lang. Umgekehrt sind digitale Produkte und Services nur dann wettbewerbsfähig, wenn sie in kurzen Zyklen umgesetzt werden. Bei Körber Digital erreichen wir das, indem wir durch unseren unmittelbaren Kundenkontakt von Anfang an im Entwicklungsprozess dabei sind, die Bedürfnisse sofort erkennen und passende Lösungen entwickeln können. Stellt sich im Laufe der gemeinsamen Entwicklung heraus, dass das Produkt nicht den erhofften Nutzen bringt, wird das Projekt gestoppt. So arbeiten wir gleichzeitig strukturiert und flexibel, können Verluste gering halten und den Kunden einen echten Mehrwert bieten.

Können Sie ein Beispiel nennen?

Ein grundlegender Gedanke von „Industrie 4.0“ ist die Idee der „intelligenten Fabrik“, in der Anlagen, Logistiksysteme und Werkstücke mit Hilfe des „Internet of Things“ kommunizieren. In diesem Kontext haben wir gemeinsam mit einem Kunden mit agilen Methoden „K.Edge Solutions“ entwickelt. Die Lösung erfasst, analysiert und visualisiert die Daten von Produktionsmaschinen. Über eine Software können Mitarbeiter dann etwa Informationen einfach mit Produktionskennzahlen abgleichen, um ihre Prozesse zu optimieren. Das spart eine Menge Geld und Ressourcen.

Co-Innovation ist das Motto der Stunde: gemeinsam eine bessere Lösung bauen.

Dr. Stefan Kusterer, CTO bei Körber Digital

Auf dem Markt für Lösungen rund um „Industrie 4.0“ tummeln sich zahlreiche Unternehmen. Wie ist Körber Digital hier positioniert?

Unser großer Vorteil ist unser tiefes Verständnis für die Bedürfnisse von Produktionsbetrieben. Denn ohne etwas von industrieller Fertigung zu verstehen, lassen sich keine Industrie-4.0-Lösungen entwickeln, die wirklich Wert stiften. Bei nicht wenigen derartiger Projekte ist die Idee gut – doch wenn es um die konkrete Umsetzung geht, werden Unternehmer und Produktionsleiter oft allein gelassen. Hier sind wir mit Körber Digital hervorragend aufgestellt. Wir legen größten Wert darauf, dass unsere Anwendungen für Industrial Internet of Things (IIoT) die konkreten Anforderungen in der Fertigung erfüllen: sofort einsatzbereit, leicht anzubinden, nützlich und wirtschaftlich attraktiv.

Das Karlsruher Start-up connyun wurde Mitte 2018 von Körber gekauft, Anfang 2019 wurde die connyun GmbH mit der Körber Digital GmbH verschmolzen. Wo sehen Sie die größten Potentiale des Zusammenschlusses?

In Berlin und Karlsruhe haben wir unsere Expertise rund um Design Thinking, UX oder Datenanalyse gebündelt, um digitale Produkte in der Frühphase zu schaffen und zu fördern, oft gemeinsam mit unseren Kunden. In einem späteren Stadium, wenn es um konkrete Produktlösungen, Vernetzung, Big Data und Cloud Software geht, übernehmen unsere Software Experten in Karlsruhe.

IIoT-Anwendungen können enorme Investitionen erfordern. Kann und will sich das jede Firma leisten?

Natürlich müssen Grundvoraussetzungen bei Automatisierungstechnik und Maschinen-Konnektivität da sein. Aber ganz richtig: Für viele kleinere und mittelständische Unternehmen sind Neuanschaffungen finanziell schwierig zu stemmen – dann geht es eher darum, bestehende Anlagen technologisch bestmöglich weiterzuentwickeln. Genau das tut Körber Digital: Unsere IIoT-Software-Lösungen greifen nicht in die Steuerung produzierender Anlagen ein, sondern bauen auf der gegebenen Struktur auf. Die Anwendungen zeigen dann immer die wichtigsten KPIs, den aktuellen Zustand von Maschinen oder Produktions-Zellen und minimieren Ausfallzeiten.

Wagen Sie eine Prognose: Welche Trends werden die digitale Transformation im Maschinen- und Anlagenbau demnächst prägen?

Im Augenblick geht es der Branche sehr gut – aber damit das künftig so bleibt, müssen sich Unternehmen aktiv mit der Digitalisierung beschäftigen. Dabei wird es viel mehr Kooperationen geben müssen, da einzelne Unternehmen allein die Dynamiken nicht mehr beherrschen können. Software-Firmen schließen sich seit Jahrzehnten in Allianzen zusammen, da muss der deutsche Maschinenbau auch hin. Co-Innovation ist das Motto der Stunde: gemeinsam eine bessere Lösung bauen. Unser Ziel dabei ist klar: Bei unseren Kunden erste Wahl für innovative, technologisch führende und digitale Lösungen zu sein.

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